Kommentar

Die Zypern-Krise - Seltenheitswert

Der Fall Zypern ist einzigartig. Nie zuvor hat man die Retter der Mitgliedstaaten ebenso wie die Vertreter der EU, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank in vergleichbarer Weise offen brüskiert.

Auch Griechenlands Politiker haben Versprechen gegeben und diese nicht gehalten. Aber ein derart offener, ja abweisender Bruch von Zusagen, Absprachen und Vereinbarungen hat Seltenheitswert.

Dabei spielen die Verantwortlichen in Nikosia auf eine unbegreifliche Weise mit dem Schicksal derer, für deren Wohlergehen sie eigentlich gewählt wurden. Nach dem vergangenen Wochenende hat man sich als Schutzpatron der kleinen Sparer aufgespielt und das Diktat zur Enteignung angeprangert.

Nun plant man genau das Gleiche, nur etwas größer. Das Land hat nur die Wahl zwischen dem Verlust eines vergleichsweise kleinen Teils der Einlagen oder einem Totalausfall. Aber das verschweig man bisher lieber. Schließlich hat man über Jahre hinweg als Umschlagplatz für ausländische Millionen prächtig gelebt.

Solche Leute verprellt man nicht gerne. In weitgehender Verkennung der Tatsachen wurde der eigenen Bevölkerung klar gemacht, dass die Euro-Partner es schon richten werden. Die "Lektion Zypern" wird die Währungsunion verändern. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass der Euro-Raum noch lange nicht für eine gemeinschaftliche Haftung, geschweige denn Euro-Bonds, reif ist, dann wurde er jetzt erbracht.

Zugleich zeigt die Notlage der zyprischen Banken, dass die Währungsunion ohne europäische Aufsicht nicht länger vor sich hin wurschteln kann. Dass eine nationale Notenbank dem verantwortungslosen Treiben der Geldhäuser zusehen muss, ohne einschreiten zu können, ist unbegreiflich.

Der Streit um die Frage, ob auch ein vergleichsweise kleines Land wie die Mittelmeer-Insel "systemrelevant" ist, dokumentiert darüber hinaus, dass sich ein Währungsverbund solche banalen Streitereien nicht leisten kann. Jedes Mitglied ist von Bedeutung. Ob es nun einen großen oder nur einen minimalen Anteil zur europäischen Wirtschaftsleistung beiträgt, zählt nicht.

Entscheidend bleibt, ob die Euro-Union die Krise schafft oder nicht. Und deshalb darf man sich auch Beschimpfungen und Verunglimpfungen aller Art verbitten. Weder der Fall noch die Rettung des Landes sind Sache allein der 1,1 Millionen Einwohner.

Vor diesem Hintergrund wäre die Regierung in Nikosia gut beraten, sich nicht länger als Sachwalter ausländischer Oligarchen zu präsentieren, sondern das zu tun, was den eigene Landeskindern wirklich nutzt: Zypern muss gerettet werden. Und so lange es dafür nur einen Plan gibt, der funktionieren kann, muss er umgesetzt werden. Auch wenn er aus der Euro-Gruppe kommt.