Kommentar

Die Zukunft des Uli Hoeneß - Nach dem Spiel

Am Samstagabend werden sich weltweit mehr als 300 Millionen Menschen das Champions-League-Finale ansehen. Es ist ein wunderbares Ereignis, das besonders die deutschen Fußballfans genießen sollten.

Doch, so eine alte Fußballer-Weisheit, nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Dies gilt besonders für Uli Hoeneß. Denn spätestens in der nächsten Woche rücken erneut und massiv dessen Steuerbetrug sowie der Verbleib als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG in den Fokus der Öffentlichkeit.

Der Fall Hoeneß wurde zuletzt ebenso emotional wie zum Teil irrational diskutiert. Dabei kann es angesichts der Fakten keine zwei Meinungen geben. Hoeneß muss schnellstmöglich vom Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden zurücktreten, zumindest muss er es ruhen lassen. Wenn er den Schritt nicht gehen will, müssen die Aufsichtsratsmitglieder dies durchsetzen. Die Gründe sind offensichtlich:

Erstens hat Hoeneß gestanden, mehr als drei Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Er hat Selbstanzeige erstattet. Wie dies juristisch zu bewerten und gegebenenfalls zu ahnden ist, haben die Justizbehörden nach Recht und Gesetz und ohne Ansehen der Person zu entscheiden.

Zweitens sitzen im Bayern-Aufsichtsrat Manager deutscher Top-Unternehmen - wie Timotheus Höttges von der Telekom, Martin Winterkorn (VW), Herbert Hainer (Adidas) und Rupert Stadler (Audi). Sie alle sind dem FC Bayern eng verbunden, etwa als Hauptsponsor wie die Telekom aus Bonn oder Adidas als Ausrüster und gar Mitgesellschafter.

Sie alle können es sich nicht länger erlauben, Hoeneß in der Position zu belassen. Zumal sie genau wissen, welche Anforderungen an einen Aufsichtsrat im dualen deutschen Führungssystem gestellt werden: Der Unternehmensvorstand trifft die operativen Entscheidungen, der Aufsichtsrat überwacht, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Die Arbeit muss neutral und frei von Interessenkonflikten erfolgen.

Und diese zentrale Voraussetzung soll beim Aufsichtsratschef und bekennenden Steuerhinterzieher Hoeneß gegeben sein? Das können die Aufsichtsratsmitglieder nicht ernsthaft meinen. Insofern war schon ihre Entscheidung in der Aufsichtsratssitzung Anfang Mai falsch, Hoeneß nicht anzutasten - trotz dessen Angebot, das Amt ruhen zu lassen.

Ferner spielen die Verfehlungen des Uli Hoeneß auch mit Blick auf den Corporate Governance Kodex eine wichtige Rolle, nach dem es keine Interessenkonflikte auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene geben darf. Die genannten Unternehmen haben sich den Bedingungen des Kodex' ebenso wie entsprechenden Ethik-Leitlinien verpflichtet.

Es muss, zum Beispiel aus Bonner Sicht, die Frage erlaubt sein, wie der designierte Telekom-Chef Höttges seinen Mitarbeitern künftig erklären will, dass vereinbarte Spielregeln für alle gelten - nur für Hoeneß nicht. Und dass Aufsichtsratsmitglieder sich bei ihren Entscheidungen an die Regeln halten - nur der Aufsichtsrat des FC Bayern nicht. Dies wäre unverantwortlich.