Kommentar

Die Zeit läuft ab

Brüssel. Die wachsende Verärgerung der Euro-Finanzminister ist verständlich. Ein Kommentar zur zu Griechenland-Krise.

Athen verspielt nicht nur wichtige Zeit, die es nutzen könnte, um das eigene Land mit dem Geld zu sanieren. Viel fataler ist, dass die neue Regierung immer noch nicht verstanden hat, dass die Währungsunion eine auf rechtsgültig abgeschlossenen Vereinbarungen beruhende Gemeinschaft ist und kein Club, der sich nach Belieben seine Spielregeln selbst basteln darf.

Dass die Geldgeber nach Prüfung der Reformliste grünes Licht geben müssen, ehe sich die Finanzchefs der Mitgliedstaaten mit dem Thema befassen, gehört zur Geschäftsordnung. Dennoch und allen anderslautenden Versprechungen gegenüber befreundeten Staats- und Regierungschefs zum Trotz will die hellenische Regierung offenbar die Partner weichkochen und Zugeständnisse erzwingen. Das wird nicht funktionieren. Die Verärgerung ist zu groß - niemand ist bereit, Athen auch nur einen Schritt entgegenzukommen, wenn die griechische Führung nicht ihrerseits Entgegenkommen signalisiert.

Mag sein, dass sich durch diese Hinhaltetaktik die Gefahr eines zufälligen Grexits vergrößert. Aber das wäre längst kein Unfall mehr, der die Währungsunion schreckt. Dass Premierminister Tsipras glaubt, er könne die Euro-Familie mit der Drohung eines Referendums schockieren, hat viel mit einer Fehleinschätzung seiner Lage zu tun. Die Griechen werden ihrem Regierungschef keinen Freibrief für einen Ausstieg aus dem Euro geben. Aber er wird viel Zeit vertan haben, die niemand mehr bräuchte als die Menschen in Griechenland. Um sie geht es.