Kommentar

Die SPD und ihr Parteitag - Warnungen

Leipzig. Alles andere wäre Selbstverleugnung gewesen: Niemand durfte erwarten, dass die SPD-Führung aus den Wahlen auf ihrem Parteitag gänzlich ohne Blessuren hervorgehen würde.

Denn eine krachende Niederlage, die für die Sozialdemokraten das zweitschlechteste Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte bedeutete, wäre ja allein schon Grund genug zu Unmutsäußerungen gewesen. Jetzt aber kommt noch hinzu, dass die SPD-Spitze unter Sigmar Gabriel die Partei in die ungeliebte große Koalition führen will. Das sind also zwei Zumutungen auf einmal.

Da ist es eigentlich überraschend, wie wenig Stimmen Gabriel oder auch Hannelore Kraft bei ihrer Wiederwahl einbüßen mussten. Die Delegierten dabei zeigten gestern außerordentliches Gespür. Sie verhinderten bei Hannelore Kraft die Wiederholung ihres Traumergebnisses von 2011, stellten sie aber in ihrer Zustimmung auf Augenhöhe mit Gabriel. Die stärksten Unmutsbekundungen mussten Olaf Scholz und Andrea Nahles hinnehmen. Der eine für sein Eintreten für die große Koalition, die andere für die Wahlniederlage. Scholz gilt immer noch als Flügelmann, Nahles´ engagiertes Wirken nach innen wird von vielen nicht gesehen.

So hat dieser Parteitag mit kleinen Warnschüssen der Parteispitze signalisiert: Obacht! Die künftige große Koalition wird kein Selbstläufer sein! Wirklich ausgezählt (und abgerechnet) wird Mitte Dezember beim Mitgliederentscheid. Da hat dann wirklich die Basis das Wort. Das Risiko ist beträchtlich.