Kommentar

Die Not der Kommunen

Dass eine weitere Kommune des Kreises eine Notunterkunft des Landes bieten muss, war abzusehen - angesichts der nach wie vor steigenden Flüchtlingszahlen.

Zuerst hielt sich das Land an Troisdorf als größte Stadt, Sankt Augustin als zweitgrößte Kommune wird Standort der zentralen Unterbringungseinrichtung in der Medienzentrale. Und jetzt werden langsam, aber sicher die mittleren kreisangehörigen Städte in die Verantwortung genommen. Heute Hennef, morgen Siegburg oder Niederkassel, übermorgen Neunkirchen-Seelscheid? Nicht auszuschließen.

Die Kommunen können vielfach auf eine gelebte Willkommenskultur bauen, auf funktionierende Hilfsorganisationen, auf ehrenamtliches Engagement. Dabei ist es das erste Ziel, menschenwürdige Unterkünfte anzubieten. Und doch ist es verständlich, wenn die Bürgermeister Alarm schlagen.

Da geht es nicht nur um finanzielle Fragen, sondern auch um die Kurzfristigkeit, mit der Räume bereitgestellt werden müssen. Troisdorf hatte 48 Stunden Zeit, eine Turnhalle als Erstaufnahmestelle herzurichten. In Hennef läuft es nun ähnlich. Schulsport, Vereinssport? Ist da erst einmal nachrangig. Viele Nutzer werden das zumindest kurzeitig hinnehmen und Verständnis aufbringen.

Doch könnte sich dort als erstes Unzufriedenheit breit machen. Und wenn dann auch noch die Kommunen das Gefühl haben, von Bund und Land im Stich gelassen zu werden, wirkt sich das an der Basis negativ auf die viel beschworene Willkommenskultur aus. Dessen sollte man sich in Düsseldorf und Berlin bewusst sein.