Kommentar

Die Krim-Krise - Putins Welt

Vorausschauende und damit kluge Politik kalkuliert das Denken und Handeln des Partners ein, gerade wenn es, wie aktuell im Krim-Konflikt, ein Gegner ist. Daran fehlt es dem Westen noch, sowohl der EU als auch den USA. Natürlich: Es ist leicht, sich über die Art, in der sich der russische Präsident Wladimir Putin wieder einmal selbst inszeniert hat, zu erregen, über die Stillosigkeit, die da phasenweise zu sehen war, auch die Arroganz, die offensichtlichen Unwahrheiten. Nur: Das hilft nicht weiter.

Natürlich ist es genauso richtig, den Bruch des Völkerrechts anzuprangern, den Putin begeht oder im Begriff ist zu begehen. Und natürlich muss man Unrecht auch als solches benennen. Nur: Auch das hilft nicht weiter.

Russland hat seine Interessen, der Westen hat sie. Mit Drohungen kommt da niemand weiter. Die - weithin ohnmächtige - EU hat das doch gerade am gänzlich anders gelagerten Fall der NSA-Spionage erlebt. Alles Drohen, Klagen, Anprangern hilft nicht, das Einzige, was hilft, ist, die Interessen des anderen so zu analysieren, dass beide Seiten zu einem Interessenausgleich in der Lage sind.

Denn die Spirale von Sanktion und Gegensanktion führt bekanntermaßen ja auch zu nichts. Der Westen sagt den G8-Gipfel in Sotschi ab? Eine markige Geste, wenn sie denn Wirklichkeit würde. Und schnitte sich selbst ins Fleisch. Die G8-Veranstaltungen sind doch nicht erfunden worden, damit sich der jeweilige Gastgeber in internationalem Glanz sonnen kann. Auch sie dienen dem Zweck des internationalen Interessenausgleichs, dienen also den Interessen aller Beteiligten. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und dem Westen sind ebenso verflochten, im beiderseitigen Interesse. Und so weiter und so fort.

Das heißt: Zum Dialog gibt es keine Alternative. Und es ist die wahrscheinlich wichtigste Botschaft des gestrigen Putin-Auftritts, dass er einer internationalen Kontaktgruppe eine Chance gibt. Das ist ein zarter Faden, den man weiterspinnen muss. Das ist wichtiger als die Aufregung darüber, dass der russische Herrscher das, was sich in der Ukraine abgespielt hat, einen Putsch nennt. Das können Historiker klären.

Richtig ist ohne Zweifel: Russlands westlicher Nachbar ist destabilisiert, daran hat der kurzfristige Erfolg der Dreierdiplomatie unter entscheidender deutscher Beteiligung nur wenig geändert. Der Sturz des bisherigen Präsidenten war dort nämlich nicht vorgesehen.

Und die Krim? Der Ort, an dem die Schwarzmeerflotte stationiert ist, die autonome Teilrepublik, in der mehrheitlich Russen leben? Wer wollte in Abrede stellen, dass da russische Interessen elementar berührt sind! Deshalb: Die Lösung der Krise kann nur im Dialog und damit im Versuch liegen, die Interessen auszugleichen.Damit die Waffen weiter schweigen.