Kommentar

Die Korea-Krise - Ein tolles Regime

Drei Millionen tote Zivilisten und fast eine Million gefallene koreanische, chinesische und US-amerikanische Soldaten: Schon einmal, von 1950 bis 1953, tobte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg, der zu den größten militärischen Auseinandersetzungen des vergangenen Jahrhunderts gehört.

Dass dieser Krieg angesichts des menschlichen Elends auch in Deutschland als einer der "vergessenen Kriege" gilt, ist erstaunlich. Gerade die zu ihrem Glück wiedervereinten Deutschen sollten sich den nach wie vor getrennten Koreanern besonders verbunden fühlen, ist die Teilung Koreas, die in diesen Tagen auf gefährliche Weise in den Fokus rückt, doch ebenso eine Folge des Zweiten Weltkrieges wie es die Teilung Deutschlands war.

Man muss es sich vor Augen führen: Hätte es die Geschichte mit uns ähnlich schlecht gemeint wie mit den Koreanern, dann sprächen wir heute womöglich über Atomkriegs-Szenarien mitten in Europa, nicht irgendwo weit weg in Asien - wobei von "weit weg" in einer globalisierten Welt ja ohnehin keine Rede sein kann.

Wie ernst die Bedrohung zur Stunde ist? Das kann niemand seriös sagen. Fest steht allein, dass es sich bei der Diktatur in Nordkorea um ein im Wortsinne tolles Regime handelt. Und man darf annehmen, dass dieser Wahnsinn, frei nach Shakespeare, Methode hat.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Pjöngjang mittels heftigen Säbelrasselns zwei Effekte erzielen möchte: Erstens soll die heraufbeschworene Drohung von außen das Volk zusammenschweißen und hinter der eigenen Führung versammeln. Zweitens sollen die Amerikaner gezwungen werden, Nordkorea als gleichberechtigten Verhandlungspartner und vor allem als Atommacht anzuerkennen, um sich so aus der Umklammerung der UN-Sanktionen zu befreien.

Allerdings sind einige Dinge anders als früher. Kim Jong Un steht als junger Führer unter besonderem Profilierungsdrang. Ausgerechnet in dieser Situation kann er sich des Beistands des großen Bruders China nicht mehr sicher sein. Das macht ihn besonders gefährlich. Zweitens haben die Nordkoreaner mit ihren Provokationen diesmal derart überdreht, dass Südkorea und die USA sich ihrerseits genötigt sehen, selbst Öl ins Feuer zu gießen.

Die Chancen, ohne Gesichtsverlust aus der Spirale der Eskalation herauszufinden, schwinden zunehmend für beide Seiten. Sollte Kim am Ende mit dem Rücken zur Wand stehen, dann könnte er irgendwann die potenziell tödliche Sein-oder-nicht-sein-Frage stellen. Wie verhält sich dann China?

Ein neuer heißer Korea-Konflikt ist nicht auszuschließen. Dass die Chinesen jedoch bereit wären, ähnlich wie in den 50er-Jahren in einen Stellvertreter-Krieg einzutreten, ist unwahrscheinlich. Der Krieg würde regional begrenzt bleiben, die Auswirkungen des Krieges würden es freilich nicht.