Kommentar

Die FDP und die Koalitionsfrage - Steinbrück wirkt

Es gibt ein paar Grundregeln in der Politik. Eine lautet: Wer in einer Koalition lebt, kann nicht gleichzeitig einem anderen Partner Angebote machen. Eine andere lautet: Einer der Hauptfehler in der Politik ist es, sie allzu statisch zu betrachten. Nimmt man beide zusammen, kommt man vier Tage nach der Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten zu dem Ergebnis: Peer Steinbrück wirkt. Und wie!

Nicht nur, dass er im Sauseschritt die Demoskopiekurve hinaufklettert. Nicht nur, dass er quasi im Handumdrehen die Parteilinke dazu bringt, mit ihm, dem ungeliebten Kandidaten, erst einmal ihren Frieden zu machen. Jetzt ist er auch drauf und dran, einen weiteren Koalitionspartner an Land zu ziehen. Gut, die FDP hat gestern Abend dementiert, dass sich ihre Führung eine Koalition unter Steinbrück vorstellen kann.

Das dürfte sie - siehe Grundregel eins - auch nicht richtig laut sagen, weil die Kanzlerin dann sagen müsste: Jetzt ist aber Schluss - mit der Koalition. Also hat Philipp Rösler wieder einmal etwas lauter gedacht, aber diesmal - anders als in der Griechenlandfrage - in die richtige Richtung. Rösler schließt eine Koalition nicht aus, lobt Peer Steinbrück sogar ausdrücklich und beschreibt "noch" einen großen inhaltlichen Abstand.

Den kann man verringern. Denn festzuhalten ist: In der FDP gibt es immer mehr, die so denken, die einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen etwas abgewinnen können. Was keine Überraschung ist, wenn's ums Überleben geht. Übrigens mit oder eher ohne Rösler.