Kommentar

Der Fall Wulff - Gewonnen und verloren

BERLIN. Freitag, der 13. Ein guter Tag für Christian Wulff. Die Staatsanwaltschaft Hannover zieht ihre Revision gegen das Urteil des Landgerichts Hannover zurück.

Der Bundespräsident a.D. ist damit auch rechtskräftig freigesprochen vom Vorwurf der Vorteilsannahme. Für Wulff ist eingetreten, was er am Tag seines Rücktritts am 17. Februar 2012 prophezeit hatte: "Was die anstehende rechtliche Klärung angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie zu meiner vollständigen Entlastung führen wird."

Wulff hat juristisch gewonnen, genauso, wie er politisch und persönlich sehr viel verloren hat: das höchste Amt im Staate, Ansehen, Einfluss, Privilegien und auch seine Ehefrau, die noch deutlich vor ihm ein Buch über ihre Zeit in Schloss Bellevue veröffentlicht hat.

Was Wulff geblieben ist: sein Ehrensold als Bundespräsident a.D. und nun eine Chance für einen Neustart. Eine Rückkehr auf die aktive Seite der Politik hat er ausgeschlossen. Es gilt das gesprochene Wort.

Wulff sollte mit dem Freispruch rehabilitiert sein, aber seine Fallhöhe war und ist einzigartig. Es ist nachvollziehbar, dass der frühere niedersächsische Ministerpräsident sich von einer Staatsanwaltschaft aus dem Amt gedrängt fühlt, die nun mit leeren Händen dasteht.

Doch damit greift Wulff in eigener Sache zu kurz. Gegen ihn gab es einen hinreichenden Tatverdacht, sonst hätte das Landgericht Hannover die Anklage nicht zugelassen. Und er sollte heute - als freier Mann - ehrlich darüber nachdenken, wie viel Nähe zu Freunden aus der Wirtschaft höchsten politischen Ämtern wirklich gut tut.