Kommentar

Der Demografiegipfel in Berlin - Show und Not

Es wird viel gegipfelt in diesen Tagen und Wochen. Der Demografiegipfel am Dienstag passt in diese Reihe. EU- und G8-Gipfel stehen an. Und Mitte Juni kommt Barack Obama, direkt nach dem Treffen der G8, erstmals in seiner Zeit als US-Präsident zu einer Art deutsch-amerikanischem Gipfel nach Berlin.

Jeder Gipfel im Wahljahr ist gut für Angela Merkel. Rote Teppiche, schöne Bilder, auf denen SPD-Herausforderer Peer Steinbrück nicht zu sehen sein wird. Der gestrige Demografiegipfel war ein solches Beispiel, wie ein wichtiges Zukunftsthema einer stetig älter werdenden Gesellschaft schön inszeniert wird.

Viel geredet, nichts beschlossen. Dabei reist Merkel durch die Lande, besucht Mehrgenerationenhäuser und interessiert sich für Lebensmodelle einer Generation, die fit und aufgeklärt bis ins hohe Alter bleibt. Das muss sie als Kanzlerin auch.

Wenn Deutschland allein bis 2025 etwa sechs Millionen Menschen weniger als heute im erwerbsfähigen Alter haben wird, wenn schon 2030 auf einen Beitragszahler ein Rentner kommt, braucht es Antworten der Regierenden darauf. Es geht auch um die Zukunfts- und die Wettbewerbsfähigkeit der viertgrößten Volkswirtschaft der Erde.

Zudem werden Senioren in dem Maße, wie ihre Zahl zunimmt, wie sie sich organisieren und ihre Interessen vertreten, auch Wahlen entscheiden. Ein Demografiegipfel als Showveranstaltung bringt dem Thema Aufmerksamkeit. Nicht mehr. Was zählt, ist die Arbeit mit Alten und Gebrechlichen. Die wird schlecht bezahlt. Doch auch das wird sich ändern.