Kommentar

Das FDP-Dreikönigstreffen - Vergeigt

Was hätte das für ein Start ins Wahljahr werden können. Auf ihrem traditionell von großer Medienpräsenz begleiteten Dreikönigstreffen hätten die Liberalen sich und ihre Ideen auf dem Silbertablett präsentieren und zwei Wochen vor dem Urnengang in Niedersachsen einen stimmigen Auftakt hinlegen können, richtungweisend für die Wahlen im Bund, in Bayern und Hessen später im Jahr.

Diese Chance hat das liberale Spitzenpersonal gründlich vergeigt. Statt politischer Programmatik beherrschte der Streit um den Parteichef das Treffen. Statt Einigkeit zu demonstrieren, präsentierte sich die FDP-Topriege als zerstrittener Hühnerhaufen. Statt Kämpferqualitäten zu beweisen, versuchte ein verzagter Rösler mit weinerlich-mitleidheischenden Anklagen gegen die politischen Gegner Punkte zu machen.

Wer würde auf das politische Überleben Röslers als FDP-Vorsitzender noch einen Cent wetten, falls die Partei - wie die aktuellen Umfragen nahelegen - in Niedersachsen, seinem Heimatland, an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte?

Die potenziellen Nachfolger an der FDP-Spitze jedenfalls haben gestern offen ihre Ansprüche dokumentiert - in ganz unterschiedlicher Weise. Während der erklärte Rösler-Gegner Dirk Niebel mehr oder weniger offen die schnelle Ablösung forderte, verbrämte Fraktionschef Rainer Brüderle seine Ambitionen mit einer formellen Solidaritätsadresse an den Parteichef. Dass sich Brüderle als Retter in der liberalen Not gerne an die Parteispitze rufen lassen wird, ist sicher.