Kommentar

CSU und FDP im Wahljahr 2013 - Bayerische Verhältnisse

Es lebe die Selbstbeschwörung. Gerade in Wahljahren. Die CSU muss 2013 gleich zweimal durchs Feuer. Bei der Landtagswahl in Bayern und bei der Bundestagswahl. In der Kunst der Autosuggestion kennen sich die Christsozialen bestens aus.

Und ihr in jeder Hinsicht frei herrschender Parteichef Horst Seehofer ohnehin. Die Liberalen wiederum, laut Seehofers treu-wechselndem Wort immer noch Wunschpartner der Union, bräuchte einen Wunderheiler, der ihnen den Glauben an sich selbst zurück brächte.

Die FDP bewegt sich nach der liberalen Selbstzerfleischung des Dreikönigstreffens in der Todeszone. Zwei Prozent im Bund, drei Prozent in Bayern. Ob da noch eine Notoperation, die Ablösung des glücklosen Vorsitzenden Philipp Rösler, hilft? Geschlossenheit ist in Wahljahren ein strapazierter Begriff.

Die Liberalen können bei ihrer demonstrierten Lust zum politischen Selbstmord noch nicht einmal diese Floskel bemühen. FDP - quo vadis? Die außerparlamentarische Opposition kann ihr Anspruch nicht sein. Aber sie droht. Die CSU wiederum bemüht sich nach den "Schmutzeleien" ihres Vorsitzenden gegen führende Mitstreiter um Schulterschluss.

Auch zwischen der Landesgruppe in Berlin und der Parteiführung in München. Nach dem neuen Bayern-Trend herrscht bei der CSU Bestwetter. Die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl ist bei aktuell gemessenen 47 Prozent Zustimmung erreichbar. Damit hätte Seehofer seine Macht in Bayern wie in der CSU für die nächsten Jahre gesichert.

Denn für das Wahlergebnis der Unionsparteien im Bund muss vor allem CDU-Chefin Angela Merkel gerade stehen. Vieles läuft derzeit für die CSU nach Plan. Doch genau dies ist die Gefahr. Gute Umfragewerte können träge machen. Die meisten Rennen werden auf der Zielgeraden entschieden.

Die CSU ist eine Regionalpartei mit bundesweiter Ausstrahlung und europäischem Anspruch. In Zeiten, in denen die Menschen wegen der Euro-Krise Angst um ihr Geld haben, setzen Seehofer und Co. den Stabilitätsanker. Jedenfalls geben sie es vor. Aber auch sie haben keine Blaupause, wie der Währungskrise idealerweise beizukommen ist.

Doch auch die CSU braucht Merkels Erfolg. Weil der Trend im Bund einen für Bayern setzt. Fehlt im Zweifel noch ein Koalitionspartner. Die FDP liegt notbeatmet auf der Intensivstation. Inhaltlich ist sie zertrümmert. Doch CSU und CDU brauchen jede Stimme für den eigenen Erfolg.

Und auch wenn der CSU-Parteitag und die Grünen-Delegiertenversammlung noch gefunden werden müssen, die mit Jubel einem schwarz-grünen Vertrag zustimmen, die Aussicht auf Regierungsbeteiligung oder Machtverlust ebnet manchen Weg. Bayerische Verhältnisse? Absolut und möglich. Am liebsten regiert die CSU aber noch immer in einer Koalition mit sich selbst.