Kommentar zu Anzeigetafeln

Bonner Parkleitsystem ist Blödsinn in Zahlen

Parkleitsystem am Bonner Stadthaus.

Parkleitsystem am Bonner Stadthaus.

Bonn. Das Bonner Parkleitsystem hält nicht, was es verspricht. Denn wie kann es sein, dass am Samstag 244 freie Plätze in der Marktgarage angezeigt werden und sich trotzdem eine lange Schlange an der Einfahrt bildet?

Ja, es war eine ökologisch zweifelhafte Schnapsidee, an einem Samstag mit dem Auto in die Bonner Innenstadt zu fahren, anstatt die Bahn zu nehmen. Ich bitte um Nachsicht. Am vergangenen Samstag war das sogar ganz besonders dusselig, weil die Fußgängerzone ganz besonders voll zu werden versprach: Massenandrang bei den 700 Beethoven-Figuren auf dem Münsterplatz, Demokratiefest auf dem Marktfest, dazu der samstägliche Einkaufstrubel.

Um so erstaunter war ich, als ich gegen 14.30 Uhr am Bertha-von-Suttner-Platz die Anzeigetafel des Parkleitsystems erspähte. Donnerwetter: 244 freie Plätze in der Marktgarage?! An einem Samstag?! Nun ahnte ich natürlich, dass diese Zahl mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit falsch sein musste, konnte aber den Impuls nicht unterdrücken, mir Gewissheit zu verschaffen.

Und siehe da: eine lange Autoschlange vor der Marktgarage, die alle paar Minuten einige Zentimeter vorwärtsruckelte. Wer sich – so wie ich – der Wartegemeinschaft nicht anschließen möchte, kommt bekanntlich aus der Stockenstraße nur noch in Richtung Bahnhof weg – und darf die Runde über den City-Ring von vorn beginnen.

Eine Nachfrage bei Stadt und Stadtwerken am Montag brachte die Erkenntnis: Das muss so. Die Stadtverwaltung verwies auf die SWB als Betreiberin des Parkleitsystems. Eine SWB-Sprecherin erklärte: Das veraltete System werde von der Bonner City Parkraum (BCP) betrieben – einer SWB-Tochter übrigens. Und die BCP halte es für sinnvoll, „das System am Leben zu erhalten, um Informationen auf die noch funktionierenden Tafeln zu spielen“. Und weiter: „Dass das System sehr veraltet ist und mit Mängel arbeitet, ist an die Stadt Bonn kommuniziert worden, die Eigentümerin der Hard- und Software des Systems ist.“ Aha.

Der Rat hat ja kürzlich beschlossen, ein neues Parkleitsystem aufzubauen. Bis das steht, müssen Autofahrer also jederzeit damit rechnen, dass auf den alten Digitaltafeln vollkommener Blödsinn erscheint. Für Ortsunkundige und Kunden aus dem Umland dürfte das ein Mordsspaß sein. Wenn sie unfreiwillig ihre Bahnen am Bahnhof vorbeiziehen, sehen sie wenigstens, wie fleißig dort gebaut wird und wie dynamisch Bonn wächst. So gesehen vielleicht sogar eine besonders raffinierte Form von Stadtmarketing.