Kommentar zur Realschule Beuel

Besonnenheit ist gefragt

Die Eltern der Realschüler trauen den Untersuchungen der Stadt nicht.

Die Eltern der Realschüler trauen den Untersuchungen der Stadt nicht.

Beuel. Vertreter der Eltern, der Schulpflegschaft, des Lehrerkollegiums und der Stadt Bonn werden noch vor Weihnachten gemeinsam die Klassenräume in der Realschule besichtigen, in denen Asbestfasern im Wandputz gefunden und in denen beschädigte Stellen entdeckt worden sind.

Dass Eltern gestresst und emotional reagieren, wenn in der Schule ihrer Kinder Asbest gefunden worden ist, ist nachvollziehbar. Die Sorge, dass die Beueler Realschüler und Lehrer tagtäglich dem krebserregenden Stoff ausgesetzt sein könnten, erklärt die Dünnhäutigkeit vieler Betroffener. Bei aller berechtigten Besorgnis muss aber festgehalten werden, dass die Untersuchungsergebnisse in Vilich und die daraus resultierenden Konsequenzen nicht annähernd mit dem Schadstoffskandal im Schulzentrum Hardtberg von 2003 zu vergleichen sind. Dort mussten damals die Gebäude wegen der hohen Schadstoffbelastung gesperrt und saniert werden.

Mit Sachlichkeit und Pflichtbewusstsein hat die Stadt Bonn auf die Asbestfunde in der ehemaligen Anne-Frank-Schule reagiert. Den einzigen Vorwurf, den sich die Stadt gefallen lassen muss, ist, dass sie die Asbestuntersuchungen nicht vor dem Umzug der Realschule in den Sommerferien hat vornehmen lassen. Das hätte viel Unruhe und Ärger vermieden - wenn auch das Ergebnis dasselbe gewesen wäre.

Der von der Stadt Bonn beauftragte Gutachter bewertet die Asbestbelastung im Wandputz als unbedenklich und rät zu Besonnenheit. Diesem Appell muss die Schulgemeinde in Vilich jetzt erst einmal verinnerlichen und vertrauen. Das wird nicht allen Eltern leicht fallen. Wegen des umstrittenen Schulumzugs von Beuel nach Vilich ist das Klima zwischen Stadt, Schulleitung und Elternschaft eh angespannt. Aber ohne Vertrauen in das Handeln der Stadt wird ein normaler Schulbetrieb in der Realschule nicht mehr möglich sein. Das sollte allen bewusst sein. Will heißen: Die Panikmache einiger Betroffener muss ein Ende haben.

Durch ihr umsichtiges Handeln hat die Stadt jetzt erst mal weitgehend zur Beruhigung der Realschuleltern beigetragen. Die Stadt muss aber auch künftig nachsichtig und verständnisvoll mit den Sorgen der Eltern umgehen und Zusagen zur Verbesserung der Situation einhalten. Weitere Zwischenfälle würden die angespannte Situation in der Realschule derart verschärfen, dass eine Eskalation nicht mehr auszuschließen wäre.