Kommentar

Atomares Feuer

NEW YORK. Irans neuer Präsident sorgt für Furore: Direkt nach seinem Amtsantritt vor wenigen Wochen startete er seine geballte Charmeoffensive: Er tauschte Briefe mit US-Präsident Barack Obama aus, bot sich als Vermittler auf den Schlachtfeldern Syriens an und wünscht den Juden alles Gute zu einem Fest.

Jetzt setzt Hassan Ruhani noch eines drauf: Vor den Vereinten Nationen versichert er der Welt: Iran bedroht niemanden, wir wollen keine Atomwaffen, fürchtet euch nicht! Damit unterscheidet sich Ruhani von seinem Vorgänger Ahmadinedschad. Dieser sprühte vor Hass auf den Westen, schwadronierte über die Auslöschung Israels.

Aber: Auch bei Ruhani ist Vorsicht geboten. Ruhani selbst mag ein friedliebender und honoriger Mensch sein. Ob aber die anderen Machteliten so denken wie er, ist fraglich. Ruhani bekleidet das Amt des Präsidenten, er verfügt aber längst nicht über die Befugnisse eines US-Staatschefs. Der eigentliche Machthaber ist Ajatollah Ali Khamenei.

Und auch die Chefs der verschiedenen bewaffneten Einheiten des Regimes, der gesamte militärisch-industrielle Komplex des Landes sprechen bei wichtigen Entscheidungen ein gehöriges Wort mit. Besonders beim Atomprojekt. Nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde treiben die Iraner das Projekt unbeirrt voran.

Das Ziel, so fürchtet der Westen, ist ein Arsenal mit nuklearen Massenvernichtungswaffen. Die tatsächliche Friedfertigkeit des Irans muss man daran messen, ob die Machthaber ihr Spiel mit dem atomaren Feuer weitertreiben - oder beenden.