Annäherung zwischen USA und Kuba: Zeitenwende

Bonn. Mit dem Begriff "historisch" zur Einordnung politischer Ereignisse ist mancher allzu schnell bei der Hand. Der Handschlag zwischen US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro aber hat diese Bewertung zweifellos verdient.

Er bedeutet das Ende einer mehr als 50 Jahre währenden politischen Eiszeit und damit die Chance auf einen Neuanfang in den Beziehungen, von dem beide Staaten nur profitieren können.

Tatsächlich ist das Wirtschaftsembargo, mit dem die USA Kuba 1960 belegt haben, ein Anachronismus. Zweifellos hat es Kubas Wirtschaft schwer geschadet. Aber es hat nie auch nur ansatzweise seinen Zweck erfüllt, die aufmüpfigen Kommunisten im Washingtoner Hinterhof in die Knie zu zwingen, im Gegenteil: Es hat, indem es ein klares Feindbild geschaffen hat, die Diktatur gestärkt und die Repression im Castro-Staat gerechtfertigt. Dass Washington sich mit dem Reiseverbot für US-Bürger im Rahmen des Embargos desselben Instruments bedient, das es dem Castro-Regime immer lauthals vorgeworfen hat, ist da nur ein skurriler Nebenaspekt.

Sollte das Embargo fallen, es wäre eine wirkliche Zeitenwende. Aber so weit ist es noch nicht. In Washington ist die Zahl der Gegner von Obamas Annäherungskurs groß. Und an dem diktatorischen Charakter von Castros Tropensozialismus ändert der historische Handschlag noch nichts. Aber immerhin will man sich künftig mit Respekt behandeln. Das ist doch schon was, nach so vielen Jahren der Respektlosigkeiten. Aber bis man von normalen Beziehungen reden kann, dürfte noch einige Zeit vergehen.