Annäherung zwischen Kuba und den USA - Überfälliger Schritt

WASHINGTON. Bis die erste McDonald's-Filiale an der Schweinebucht aufmachen wird, mag noch einige Zeit vergehen. Aber der Anfang ist gemacht. Fast 55 Jahre nachdem Washington das Tischtuch mit Kuba zerschnitt, läuft seit gestern die Operation Wiederannäherung.

Sie war überfällig, weil Uncle Sam sich an dem kommunistischen gallischen Dorf in seinem Hinterhof vergeblich die Zähne ausbiss. Statt Kuba zu isolieren, hat sich Amerika mit seiner überholten Politik selbst isoliert.

Ab sofort lautet Wandel durch Handel das Motto. Ein Relikt des Kalten Krieges bröckelt. Obamas Initiative deckt sich mit dem in den USA verbreiteten Wunsch nach Normalisierung der Beziehungen. 55 Prozent der Bevölkerung halten die von Ideologie überfrachtete Eindämmungspolitik Washingtons gegenüber Havanna für verfehlt. Über 65 Prozent sprachen sich in aktuellen Umfragen für ein Ende des Wirtschaftsembargos aus.

Dagegen steht de jure das Helms-Burton-Gesetz. Die Aussichten auf Aufhebung durch das Parlament in Washington stehen derzeit mäßig, weil die Republikaner ab Januar in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit stellen und sich bisher einem Lockerungskurs gegenüber Havanna verweigerten. Trotzdem ist der Zeitpunkt für einen Alleingang des von außenpolitischen Erfolgen nicht verwöhnten amerikanischen Präsidenten günstig. Die erbittert Castro-feindliche kubanische Exil-Gemeinde in Florida stirbt langsam aus. Der Händedruck zwischen Obama und Präsident Castro bei der Trauerfeier von Nelson Mandela vor einem Jahr war also mehr als eine leere Geste.