Kommentar

Annäherung der USA und Kubas - Meilenstein

Washington. Die "Hemingway's Bar" im Keller der seit über 50 Jahren außer Dienst gestellten kubanischen Botschaft in Washington ist ein Geheimtipp in diplomatischen Zirkeln. Bei seltenen Anlässen kredenzt die dort unter Schweizer Schwingen amtierende Interessenvertretung der Karibikinsel den besten Mojito weit und breit.

Schon bald könnten weit mehr Gäste in den Genuss des inspirierenden Sommergetränks kommen. Auf dem Weg zur Normalisierung der seit über 50 Jahren ins künstliche Koma versetzten Beziehungen hat Präsident Obama gestern einen Meilenstein gesetzt. Die wechselseitige Wiederbelebung der 1959 beendeten diplomatischen Kontakte stellt die vor einem halben Jahr begonnene Aussöhnung auf ein neues Fundament. In der politischen Welt versuchen Obama und sein Gegenpart Raúl Castro so Schritt zu halten mit den rasend schnellen Veränderungen auf Kuba, wo nicht nur mit dem globalen Wohnungsvermittler Airbnb gerade der Kapitalismus Einzug hält.

Botschaften und Botschafter allein - vorausgesetzt, die missgünstigen und im Denken des Kalten Krieges steckengebliebenen Republikaner werden das Projekt nicht nachhaltig torpedieren - sind aber nur ein erster Schritt auf dem Weg der Annäherung. Solange Washington nicht die ökonomische Quarantäne über Kuba aufhebt, was ohne den Kongress nicht gelingen wird, und solange Havanna nicht aufhört, Andersdenkende unter Missachtung der Menschenrechte zu drangsalieren, solange wird die neue kubanisch-amerikanische Geschichte Stückwerk bleiben.