Kommentar

Am seidenen Faden

JERUSALEM. Was die Todesumstände von Jassir Arafat angehen, müssen nicht nur die Wissenschaftler noch viele Fragen klären. Auch Suha Arafat, seine Witwe, sind einige interessante Fragen zu stellen. Allerdings dürfte sie wenig gewillt sein, diese wahrheitsgemäß zu beantworten.

Etwa warum sie nicht bei Arafats Tod einer Autopsie zustimmte, sondern acht Jahre verstreichen ließ und damit die Aufklärung erheblich erschwerte. Sicher ist, dass Suha Arafat ihre eigene Agenda hat, die nicht mit der der heutigen Palästinenserführung übereinstimmen dürfte.

Wenn sich letztere jetzt durchringt, den Giftmord-Verdacht durch eine internationale Kommission untersuchen zu lassen, ist das nur zu begrüßen. Es verringert die Gefahr, dass Gegner der Nahost-Friedensverhandlungen Arafats Tod instrumentalisieren und die Gespräche torpedieren.

Diese Gespräche hängen ohnehin an einem seidenen Faden. Nicht umsonst ist US-Außenminister John Kerry in diesen Tagen erneut in den Nahen Osten gereist, um in stundenlangen Treffen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die stockenden Verhandlungen vor einem Scheitern zu bewahren.

Kerry hat nicht hinter dem Berg damit gehalten, dass die USA die fortgesetzten Siedlungsplanungen der Israelis für gefährliche Störmanöver halten. Washington ist der Ansicht, dass ein Friedensschluss zwischen Israelis und Palästinensern es leichter macht, die anderen Brandherde zu bekämpfen - Syrien, Iran, Ägypten.

Ob seine Verhandlungspartner das auch so sehen, steht auf ihrer geheimen Agenda.