Zwischenruf zu rechtspopulistischer Propaganda Der "Deutsche" und sein Museum

Meinung · Eine Nachricht zum möglichen Aus eines Bonner Museums und die Flüchtlingssituation in diesem Land - eine Verbindung, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Trotzdem wurde sie am Wochenende häufiger gezogen.

"Das Deutsche Museum steht vor dem Aus", hieß es am Freitagabend. Am Wochenende schaffte es die Meldung des General-Anzeigers auf einzelne rechtspopulistische Internetseiten. Warum sie dort auftauchte? Sie ahnen es. Es kommen die Worte "Deutsch" und "Aus" vor.

"Lieber bunt statt Kultur" heißt es da. Auf einer Seite taucht die Nachricht in den "Blitz Nachrichten" (grafisch garniert mit SS-ähnlichen Symbolen) auf. Es wird auch diskutiert: "Der nächste Schritt zur Abschaffung Deutschlands - Multikulti dient der Selbstzerstörung", schreibt ein Besucher des Forums. Kein Wunder, schreibt ein anderer. Immerhin habe der Bonner OB ja indische Wurzeln. "Wen interessiert deutsche Geschichte? Deutsche sind nicht mehr gefragt!"

Zur Erklärung, warum diese Diskussion so absurd ist, sei für Nicht-Museums-Kenner gesagt: Beim Deutschen Museum handelt es sich nicht um eines zur Geschichte des deutschen Volkes. Es geht nicht um Beethoven, Schiller oder Goethe. Im Deutschen Museum wird den Besuchern die naturwissenschaftliche Welt näher gebracht, es geht um Forschung und Technik.

Vieles davon beruht übrigens auf algebraischen Berechnungen - ein mathematisches Teilgebiet, das von Arabern auf den Erkenntnissen des Griechen Diophantos von Alexandria begründet wurde. Wären die Kritiker auch nur einmal im Deutschen Museum gewesen, hätten sie dies vielleicht gewusst - und das Museum mit ihrem Eintrittsgeld von den Finanznöten befreit.

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