Ahrweiler

Kleine Wahlkreishistorie: Politik im Kreis zeigt Flagge

KREIS AHRWEILER.  Der Mauerfall und seine Folgen. Kaum etwas in der Geschichte des Kreises Ahrweiler schweißte Bürger und Politik mehr zusammen. In Ahrweiler kamen im Herbst 1989 die ersten DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft in Sonderzügen an, später sprach man von DDR-Übersiedlern.
Der Kampf um Bonn 1991 auf dem Ahrweiler Marktplatz: (von links) Karl Deres, Wilhelm Josef Sebastian, Hans Wallow, Joachim Weiler und Dieter Thomae. Vorne: Der damalige Bonner Bürgermeister Jürgen Endemann.
								Foto: Martin Gausmann
Der Kampf um Bonn 1991 auf dem Ahrweiler Marktplatz: (von links) Karl Deres, Wilhelm Josef Sebastian, Hans Wallow, Joachim Weiler und Dieter Thomae. Vorne: Der damalige Bonner Bürgermeister Jürgen Endemann. Foto: Martin Gausmann

Tausende von Menschen betraten in der Kreisstadt erstmals bundesdeutschen Boden, wurden dort von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Ministerpräsident Carl-Ludwig Wagner begrüßt. An die Ankunft erinnert heute ein Stück Berliner Mauer am Bahnhof.

Ein Jahr später feierte der ganze Kreis auf dem Ahrweiler Marktplatz die deutsche Einheit, mit Gottesdienst, Konzert und Feuerwerk in den ersten Minuten des 3. Oktobers 1990. In den Morgenstunden dieses Tages fuhr dann der komplette Kreistag von Ahrweiler in den Partnerkreis Artern in Thüringen. Noch einmal wurde die Einheit gefeiert.

Doch dann war irgendwann Schluss mit lustig und feiern. Die Debatte um Bonn oder Berlin als Sitz von Parlament und Regierung entbrannte. Wie das Szenario ausging, ist hinreichend bekannt.

Kaum noch bekannt ist heute allerdings, dass Bonn sich damals felsenfest auf seinen Nachbarn verlassen konnte. Der Kreis Ahrweiler mit dem damaligen Landrat Joachim Weiler und mit ihm seine Parteien und Interessenvertretungen standen wie eine Eins hinter Bonn, bildeten eine Phalanx gegen Berliner Pläne.

Im Mai 1991 wurde "AW - für Bonn" ins Leben gerufen. Unterschriftenlisten lagen in Banken und Sparkassen aus. "Zeigen Sie Flagge", appellierte Landrat Joachim Weiler leidenschaftlich an die AW-Bürger, rief zur Demonstration für den Freitag, 7. Juni, auf den Ahrweiler Marktplatz auf. Koordinator war der damalige CDU-Landtagsabgeordnete Wilhelm-Josef Sebastian. Es wurde der Tag, der Bürger und Politik einte, denn alle zogen an einem Strang.

CDU, SPD, FDP, Grüne, Kreishandwerkerschaft, Industrie- und Handelskammer, Hotel- und Gaststättenverband, der Kreis Ahrweiler, alle Städte und Gemeinden an Rhein und Ahr sowie die Tourismusorganisationen zeigten wie von dem 1999 verstorbenen Kreischef gewünscht Flagge. Und mit ihnen in Eintracht die drei Bundestagsabgeordneten Karl Deres (CDU) aus Sinzig, Hans Wallow (SPD) aus Rolandseck und Dieter Thomae (FDP) aus Bad Bodendorf. Eintracht auch in den Kreistagen von Ahrweiler und des Partners Artern in Thüringen. Beide Kreisparlamente votierten einstimmig für Resolutionen pro Bonn

Die Demo auf dem Markt wurde zum Volksfest. Denn Zusammenhalt macht durstig. Mit Weinständen, Live-Musik, Interviews am GA-Mobil, bekannte das AW-Land Farbe für seinen Nachbarn. 17 000 Unterschriften wurden im Anschluss an Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth übergeben. Geholfen hat es nichts, wie die Entscheidung pro Berlin am 20. Juni 1991 zeigte. Landrat Joachim Weiler sprach von einem "schwarzen Tag in der Geschichte des Kreises". Es war aber auch die Geburtsstunde eines neuen Slogans: "Trotzdem - AW hat Zukunft". Daran wird bis heute weiter gearbeitet.

Abgeordnete seit 1949

Seit 1949 wurde der Wahlkreis stets von den Direktkandidaten der CDU gewonnen. Das waren Johann Jungglas (1949-1953), Otto Lenz (1953-1957), Johann-Peter Josten (1957-1980) sowie die ersten heimischen Abgeordneten Karl Drees aus Sinzig (1980-1994) und Wilhelm-Josef Sebastian aus Dernau (1994-2009). Seit der Wahl 2009 übt Mechthild Heil aus Andernach ihr Direktmandat im Bundestag aus.

Über die Landeslisten ihrer Partei zogen in den Bundestag ein:

SPD: Hans Wallow (1981-1983 und 1990-1998) und Andrea Nahles (1998-2002 und seit 2005).

FDP: Dieter Thomae (1987-2005).

Linke: Gert Winkelmeier (2005-2009, zuletzt fraktionslos).

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Die innerdeutsche Grenze


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9. November 1989

10. November 1989