Das GA-Torfieber grassiert wieder
Alle Infos zum großen E- und F-Junioren-Turnier des General-Anzeiger
"Seit der Studienreform fühlen sich viele Studierende unter Druck, ihr Studienprogramm auf jeden Fall in der vorgesehenen Zeit absolvieren zu müssen", berichtet Dr. Wolfram Wickel, Leiter der Zentralen Studienberatung an der Universität Bonn. Und das verursacht Stress.
Auch Dr. Reinhard Kukahn von der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Bonner Studentenwerks stellt fest, dass der Druck auf die Studierenden stark gestiegen ist: "Der Stress hat eindeutig zugenommen." So fragten sich manche Studierende, wie sie Pausen und Privatleben überhaupt noch in ihr Leben integrieren könnten.
Merken Studierende, dass sie das vorgegebene Arbeitspensum nicht schaffen, sollten sie dies aber nicht auf Biegen und Brechen versuchen. Wickel empfiehlt, lieber rechtzeitig gegenzusteuern: "Auch in den neuen Studiengängen haben Sie die Möglichkeit, eine Prüfung später abzulegen. Davon sollten Sie Gebrauch machen. Setzen Sie sich nicht einem größeren Druck aus als unbedingt notwendig!"
Wer sich entscheidet, Prüfungen später abzulegen, hat übrigens nicht nur Nachteile. Denn er lernt auch, Prioritäten zu setzen und seine Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen. Das sind zwei Kompetenzen, die angehende Akademiker auch später in ihrem Beruf brauchen werden.
Außerdem gibt Wickel zu bedenken, dass es für Studierende kein Drama ist, ein Semester länger zu studieren. Viel problematischer sei es dagegen, so viel zu arbeiten, dass für Pausen und andere Aktivitäten keine Zeit mehr bleibt. "Nur Lernen ist kontraproduktiv. Oft nimmt dabei die Leistungsfähigkeit ab, während psychosomatische Beschwerden und Ängste zunehmen."
Regelmäßiges Lernen beugt dagegen übermäßiger Arbeitsbelastung in den Prüfungsphasen vor. "Studierende sollten nicht nur ein paar Wochen vor der Prüfung lernen, sondern kontinuierlich das ganze Semester hindurch", betont der Leiter der Studienberatung. Denn dann häuft sich der Lernstoff nicht so an und mehrere Prüfungen in engen Zeitabständen lassen sich leichter bewältigen.
Erholung ist eine weitere wichtige Maßnahme, um Burnout zu verhindern. Deshalb rät Wickel, regelmäßig Pausen einzulegen und ein Gegengewicht zu der geistigen Arbeit zu setzen. "Wer tagsüber seine Aufgaben vernünftig einteilt, sollte abends noch genügend Zeit haben, um mal ins Kino zu gehen oder mit Freunden eine Kneipe zu besuchen." Schließlich gehören soziale Kontakte genauso zu einer Burnout-Prävention wie ausreichend Bewegung.
Hilfreich gegen eine Vereinsamung am eigenen Schreibtisch sind auch Lerngruppen. "Hier können sich Studierende austauschen, abhören und gegenseitig auf Fehler aufmerksam machen", erklärt der Studienberater. Der Vorteil: Die Hochschüler haben sozialen Kontakt und erfahren, wie Andere ihr Studium bewältigen. Das ist Korrektiv und Anregung zugleich.
Und noch ein Tipp von Wickel: "Denken Sie über ihr Studium nicht nur karrierebezogen, sondern nutzen Sie die vielfältigen Möglichkeiten, die es sonst noch bieten kann. Werden Sie zum Beispiel Mentor für jüngere Kommilitonen." Gerade der Blick über den Tellerrand mache ein Studium erst wertvoll und fördere überfachliche Fähigkeiten wie zum Beispiel interkulturelle Kompetenz. Und das erhöht letztlich die Arbeitsmarktchancen... denn es zählt nicht nur ein schnelles Studium.
Artikel vom 14.02.2012