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Neun Juniorprofessoren lehren und forschen an Bonner Uni
Von Johannes Seiler
Ökonomen sind die Vorreiter - "Man ist sein eigener Chef"
Bonn. Als im Jahr 2002 in Deutschland die Juniorprofessur eingeführt wurde, rumorte es an den Universitäten. Jungen Wissenschaftlern mit herausragender Promotion sollte ohne Habilitation die Qualifikation für eine Lebenszeitprofessur ermöglicht werden. Doch viele hielten den neuen Weg für unausgegoren.
Mittlerweile gilt der Juniorprofessor aber als etabliert. Insgesamt neun Juniorprofessoren lehren und forschen inzwischen an der Universität Bonn, allein sechs an der "Bonn Graduate School of Economics" (BGSE). Damit haben die Ökonomen eine Vorreiterfunktion übernommen. "Wir hatten mit dem neuen Modell keine Berührungsängste", berichtet BGSE-Sprecher Professor Urs Schweizer. "Der Türöffner war für uns die Exzellenzinitiative."
Dabei haben die Bonner Ökonomen die Graduiertenschule eingeworben und konnten mit den zusätzlichen Mitteln die Juniorprofessuren finanzieren. "Unsere Juniorprofessoren sind auf Augenhöhe", sagt Schweizer. Während die Besetzung der Habilitationsstellen bei den jeweiligen Lehrstühlen liegt, werden die Juniorprofessoren durch eine Berufungskommission ausgewählt. "Das ist transparenter und die Juniorprofessoren haben dadurch von Anfang an alle Rechte", sagt Schweizer.
Sie seien damit auch nicht wie die meisten Assistenten an einen bestimmten Professor gebunden, sondern könnten selbstständig forschen und lehren. Eva Lütkebohmert-Holtz kam im Oktober 2006 nach Bonn und ist an der Universität die erste Juniorprofessorin überhaupt. Sie hatte an der Bonner Alma mater in Mathematik promoviert und war dann bei der Deutschen Bundesbank in der Bankenaufsicht tätig.
"Trotz guter Erfahrungen in der Praxis wollte ich gerne wieder zurück in die Forschung", berichtet sie. Die Ausschreibung für die Juniorprofessor an der BGSE kam für sie zu einem günstigen Zeitpunkt. "Im Vergleich zum Postdoc kann man bei der Juniorprofessur selbstständiger forschen und lehren, was ich als attraktiv empfunden habe", sagt die 30-Jährige.
Zeno Enders (32) hält die Habilitation für ein Auslaufmodell. "Die Juniorprofessur ist das internationale Modell", begründet der Volkswirt. "Man ist sein eigener Chef, viel selbstständiger als in einer Habilitation und wird innerhalb der Professorenschaft als Kollege akzeptiert." Wichtig sei auch die Lehre - vier Wochenstunden unterrichten die Nachwuchswissenschaftler die Studenten. Sie betreuen außerdem Diplomarbeiten und sammeln dabei wichtige Erfahrungen.
Der Ökonom Alex Gershkov (35) studierte und promovierte in Jerusalem und bewarb sich vor dreieinhalb Jahren nach einem Kurzbesuch in Bonn als Postdoc für die BGSE. Dann wechselte er auf die Juniorprofessur. "Das Angebot war für mich sehr attraktiv." Sein Kollege Eugen Kovac (31) bekam nach seinem Mathestudium in Bratislava und seiner VWL-Promotion in Prag zunächst eine Postdoc-Stelle und dann eine Juniorprofessur. "Ich bin nach Bonn gekommen, weil die Universität hier sehr stark in der mikroökonomischen Forschung ist", sagt er.
Insgesamt sollen die jungen Wissenschaftler sich binnen sechs Jahren qualifizieren. Danach besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass die Besten auf eine Lebenszeitprofessur an der Hochschule übernommen werden. Dieses als "Tenure Track" aus den USA bekannte Verfahren soll die häufig ungewisse Karriere der Forscher planbarer machen. Doch dafür fehlen meist die Stellen.
"Wir bemühen uns, an der Universität Bonn »Tenure Track« zu etablieren", sagt Schweizer. "Doch für eine Nachbesetzung mit Juniorprofessoren müssen erst bestehende Stellen frei werden." Das könne geschehen, wenn etwa ein Professor aus Altersgründen ausscheidet oder einen Ruf an eine andere Uni annimmt. "Ein bisschen Optimismus gehört immer dazu", sagt Enders zu seiner Zukunft.
"Auch mit einer Habilitation ist der weitere Weg in der Wissenschaft unsicher", sagt Enders. Juniorprofessoren könnten wahrscheinlich auch besser in die Wirtschaft wechseln. "Qualität setzt sich durch", meint Schweizer. Die Juniorprofessuren an der BGSE seien so erfolgreich, dass einige der Inhaber bereits von anderen Hochschulen stark umworben werden. So wird Alex Gershkov demnächst nach Israel zurückkehren und an der Hebron University eine Professur als "Senior Lecturer" übernehmen.
Artikel vom 21.04.2009
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