Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Jede Studentin, die als Mentee an dem Pilotprogramm teilnimmt, wird ein Jahr lang von einer berufserfahrenen Mentorin oder einem Mentor mit akademischem Abschluss in allen Fragen der Studien-, Berufs- und Lebensplanung beraten und dabei unterstützt, eigene Kompetenzen weiterzuentwickeln sowie Berufskontakte zu knüpfen. Jetzt, da die dritte Runde läuft, traf man sich im Gustav-Stresemann-Institut, um Erfahrungen auszutauschen.
Nina Odenius aus Viersen ist blind. Für sie ist der Wechsel vom vertrauten Elternhaus in eine neue Stadt und eine neue Lebenssituation besonders schwierig. Wie viele Menschen mit Behinderung hat auch sie eine besonders enge Beziehung zur Familie und zu ihrem Umfeld. Wie gut, dass der 20-jährigen Politik- und Romanistikstudentin in Düsseldorf eine studien- und berufserfahrene Ansprechpartnerin, die selber drei Töchter hat, zur Seite steht: Susanne Benarey-Meisel, Diplomkauffrau aus Wachtberg, die nach verschiedenen Führungspositionen in Unternehmen als selbstständige Personalberaterin arbeitet, bietet sich an, mit ihrem Fach- und Erfahrungswissen ein Jahr lang einer Studentin mit Behinderung als ehrenamtliche Mentorin zur Seite zu stehen.
Bei Maria Schwarz ist es ausnahmsweise umgekehrt. Die 25-jährige Theologiestudentin aus Bonn wird von Annette Standop betreut. Die promovierte katholische Theologin arbeitet derzeit in der Managementvermittlung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit in Bonn und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. "Der Rollstuhl spielt zwischen uns überhaupt keine Rolle", sagt die junge Theologiestudentin. "Bei unseren Treffen ging es um fachliche Unterstützung, und da hatte ich in Frau Dr. Standop eine kompetente Ansprechpartnerin."
Mentoring-Programm europaweit einzigartig
Potenziale zu fördern, Barrieren abzubauen und das Interesse an Menschen mit Behinderung und ihren Fähigkeiten zu verstärken, darum geht es in dem Mentoring-Programm, das im August von der Bundesregierung in ihrem ersten Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention als europaweit einzigartige Maßnahme gelistet wurde.
Es müsste ausgeweitet und zu einer festen Institution werden, meinte Gisela Muschiol, Professorin für Kirchengeschichte an der Uni Bonn. Wie wichtig es ist, schon junge Mädchen im Schülerinnenalter kompetent zu betreuen, zeigte Annette Kellinghaus-Klingberg, die als Sozialpädagogin an einer Kölner Gesamtschule arbeitet. "Die Mädchen müssen erst mal eins lernen", sagt die selbstbewusste Frau. "Den Spruch ,Geht nicht' gibt's bei mir nicht. Denn das erleben die Mädchen tagtäglich. Und das nächste ist, dass sie lernen müssen, Hilfe einzufordern und anzunehmen."
Schwer genug, die Uni zu bestehen, doch wie geht es danach weiter? Professorin Swantje Köbsell von der Uni Bremen macht klar, dass vor allem außeruniversitäre Kontakte von großer Bedeutung für die spätere Karriere sind. Man könne von der Gesellschaft erwarten, dass sie gewisse Wege ebnet, sagte Petra Strack, Leiterin der Personalentwicklung bei der Aktion Mensch in Bonn, "aber der Wille zur Karriere muss da sein".
Sie hat es geschafft, trotz Behinderung, zunächst die Karriereleiter bei der Telekom hochzusteigen und jetzt bei der Aktion Mensch: "Kein Mensch wird Karriere machen ohne tough zu sein, ohne auch mal gefrustet zu werden oder ohne sich durchsetzen zu müssen." Letztlich, sagte sie, brauchen Studentinnen mit Behinderung genau dasselbe wie ihre Kommilitoninnen ohne Behinderung: Vertrauen auf die eigenen Potenziale und ein gutes Netzwerk.
Artikel vom 07.02.2012