Existenzgründer an Hochschulen

Wer von der Uni aus sein eigenes Unternehmen gründen will, braucht ein klares Ziel. Agraringenieur Peter Diessenbacher und die Diplom-Volkswirtin Allin Gasparian, beides Absolventen der Uni Bonn, nutzen zum Beispiel den Baum als "grüne" Geldanlage.

Bonn. Der Kiri-Baum stammt aus Japan, schießt aber auch in Deutschland bis zu zwei Meter pro Jahr in die Höhe. Als Nebeneffekt bindet er große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid.

Der Agraringenieur Peter Diessenbacher und die Diplom-Volkswirtin Allin Gasparian, beides Absolventen der Uni Bonn, nutzen den Baum als "grüne" Geldanlage. Beide machten sich Ende 2009 mit der "WeGrow GmbH" selbstständig. Im Auftrag von Kunden legen sie Kiri-Plantagen in Europa an. Nach zwölf Jahren wird das Holz geerntet und verkauft.

"Nachwachsende Rohstoffe haben mich schon während meines landwirtschaftlichen Studiums fasziniert", berichtet Peter Diessenbacher. Er und seine Geschäftspartnerin waren von Anfang an vom Potenzial des Kiri-Baums begeistert. Diessenbacher besorgte sich Saatgut aus aller Welt und startete erste "Fensterbankversuche". Er kümmerte sich um die züchterische Seite, Gasparian entwickelte das Geschäftskonzept.

"Mich reizt an der Selbstständigkeit, dass man eigene Ideen umsetzen und Entscheidungen direkt treffen kann", sagt Gasparian. Das Duo lebt mittlerweile ausschließlich von der Firma und hat noch drei Mitarbeiter eingestellt. "Es lohnt sich, Zeit und Arbeit in die Erstellung eines detaillierten Businessplanes zu investieren", berichtet Gasparian. Das sei nichts anderes als die theoretische Inbetriebnahme der Geschäftstätigkeit. "Je realitätsnaher dieser erstellt wird, umso verlässlicher sind seine Aussagen und Prognosen für die Praxis."

Und noch einen Tipp hat die Volkswirtin parat: "Mutig sein, seiner Vision zu folgen!" Mit Ausgründungen werden die an den Hochschulen erforschten Erkenntnisse in Anwendungen überführt, berichtet Rüdiger Mull, an der Universität Bonn zuständig für Ausgründungen und Patente. "Wenn sich Wissenschaftler an der Universität ausgründen, profitieren beide davon: Der Existenzgründer bleibt mit seinem Know-how dem Institut zunächst erhalten und schafft die Verbindung zu wichtigen Anwendungen", sagt er.

Umgekehrt könne der Forscher die Infrastruktur des Instituts weiter nutzen, sich mit seinen Kollegen über wichtige Fragen austauschen und in Ruhe die Ausgründung vorbereiten. Klassischerweise trügen sich Doktoranden, die etwas Spannendes entdeckt haben, mit der Frage, ob sie ein eigenes Unternehmen gründen sollen, berichtet der Experte. Gründungswillige sollten vor allem eine gute Idee mitbringen - und nach Möglichkeit einen Professor, der sie dabei unterstützt.

"Dann können wir gemeinsam die Erfolgsaussichten eruieren und gegebenenfalls einen Nutzungsvertrag mit der Universität schließen", sagt Mull. Die Gründer könnten dann einige Jahre die Infrastruktur des Instituts nutzen und ihre Ausgründung vorbereiten. "Ein anderer Weg ist, etwa Fördermittel für Existenzgründer zu beantragen."

Seit 1994 hätten sich etwa 30 Unternehmen aus der Universität Bonn heraus gegründet. "Das ist eine ganz beachtliche Bilanz", sagt Mull. Was sollten Existenzgründungswillige beachten? "Sie sollten genügend Zeit einplanen, um sich die notwendigen Kenntnisse in Betriebswirtschaft und rechtlichen Grundlagen zu erwerben", rät der Experte. "Die meisten Existenzgründungen scheitern am Geld." Das könne durch gute Planung vermieden werden.

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