Universität Köln

Bestattungsstau und Leichen-Schimmel

KÖLN.  Die Universität Köln hat bei den Leichen für Forschung und Lehre zeitweise den Überblick verloren: Nicht identifizierbare Körper, fehlende Bestattungen, Schimmel an den Toten. Die Hochschule musste zugeben, den Überblick über die Körperspenden am anatomischen Institut verloren zu haben.

"Da sind drei Leichen, die wir nicht zuordnen können", sagt Patrick Honecker, Pressesprecher der Universität Köln. Die Kennnummern der Toten passten nicht mit den entsprechenden Akten zusammen.

Das ist aber nicht alles: Außerdem wurden bei einem Wechsel in der Amtsführung der Anatomie im Herbst 60 bis 80 Tote zu viel in den Kühlräumen gefunden: "Das Problem ist einfach, dass die Leichen, die hätten bestattet werden sollen, nicht bestattet worden sind", sagte Honecker. Stattdessen seien sie einfach in der Universität liegen gelassen worden. Die Universität sprach von "unzureichender Administration", die einen "Bestattungsrückstand" verursacht habe. Die meisten Leichen sind inzwischen ordnungsgemäß bestattet worden.

Bei den Untersuchungen der Universität wurde außerdem festgestellt, dass die Kühlanlage des anatomischen Instituts die nötige Temperatur nicht kontinuierlich halten kann. Die Folge: schimmelnde Leichen. "Das klingt immer furchtbar", so Honecker, sei aber als weniger gravierend einzuordnen. Die Körper, von denen etwa ein Dutzend Schimmel aufwiesen, hätten auch noch weiter genutzt werden können.

In der vergangenen Woche hatte die Hochschule die Staatsanwaltschaft Köln eingeschaltet, wie deren Pressesprecher Ulrich-Günther Bremer bestätigte. Es habe ein Treffen gegeben, bei dem die Missstände besprochen worden sind, so der Sprecher. In der Folge habe die Staatsanwaltschaft "keinen Anlass gesehen", weiter zu ermitteln. Nicht jedes Fehlverhalten sei ein strafrechtliches Fehlverhalten, hieß es.

Thomas Krieg, Dekan der Medizinischen Fakultät, versprach die "bedingungslose Aufklärung" der Vorkommnisse. Durch eine disziplinarische Prüfung soll nun die Verantwortung beteiligter Personen geklärt werden. In forensischer Kleinarbeit versuchen Spezialisten der Universität nun auch, die drei nicht identifizierten Körper zuzuordnen. Man sei sehr zuversichtlich, dass dies auch gelinge.

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