Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Früher erholten sich die Bundesbürger an spanischen Stränden. Heutzutage sieht das anders aus. Kein Reiseland ist bei den Deutschen so beliebt wie die eigene Heimat, besonders Städtereisen liegen 2012 im Trend. "Großstädte sind der Motor des Deutschland-Tourismus", sagt Nicole Habrich, Sprecherin des Deutschen Tourismusverbandes in Bonn.
Zu den Top-Reisezielen gehören nicht nur Touristenhochburgen wie Berlin oder Hamburg - auch Nordrhein-Westfalen zählte im vergangenen Jahr 44,2 Millionen Übernachtungen, so viele wie noch nie zuvor. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, wurde damit das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2010 übertroffen: Die Besucherzahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 5,0 Prozent und die Zahl der Übernachtungen um 5,1 Prozent. Eine überdurchschnittlich hohe Zunahme war bei den Gästen aus dem Ausland (+7,8 Prozent auf 4,1 Millionen) und deren Übernachtungen (+7,1 Prozent auf 8,8 Millionen) zu verzeichnen.
Die größten Magnete in NRW sind Köln und Düsseldorf, wie die Statistiker wissen. Sie sind auch bei den europäischen Nachbarn sehr beliebt. "Düsseldorf und Köln bieten touristische Highlights und sind wegen der großen Flughäfen aus dem Ausland gut erreichbar. Mit dem Zug sind außerdem auch Niederländer oder Belgier für einen Tagesausflug schnell da", erklärt Tourismusexpertin Habrich.
Aber auch Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis stehen im Landesvergleich sehr gut da: Die Zahl der Gäste legt um 7,4 Prozent zu. Wer zwischen Rhein und Weser Urlaub macht, den interessieren aber nicht nur Kölner Dom, schöne Natur und Schiffsausflüge auf dem Rhein. Auch Einkaufszentren oder Musical-Theater seien Anziehungspunkte. "Die Leute finden es immer toll, wenn sie mehrere Dinge erleben können", sagt Tourismusforscherin Professorin Silke Landgrebe von der Fachhochschule Gelsenkirchen.
Und die Urlauber lassen viel Geld in den Städten. Nicht nur Gastgewerbe, auch Einzelhandel und Dienstleister wie Fahrradverleiher profitieren vom Fremdenverkehr, sagt Julie Sengelhoff, Sprecherin von Tourismus NRW. "Wenn Touristen für ein großes Event in die Stadt kommen, merkt man schon, dass sie Umsatz in die Kasse spülen. Das gilt für den Kiosk von nebenan ebenso wie für das Sterne-Hotel."
Aber bei weitem nicht jeder kommt zur Erholung. Der Tourismusboom in NRW ist zu großen Teilen auch Geschäftsleuten zu verdanken, sagt Landgrebe. "Geschäftsreisende geben mehr Geld aus und buchen hochwertige Hotels. Wenn es ihnen dort gefällt, dann kommen sie außerdem unter Umständen auch privat mal wieder." Besonders dicht geballt sind die Kongress- und Tagungsorte im Ruhrgebiet. Rund 70 Prozent der Übernachtungen würden dort von Geschäftsleuten gebucht, schätzt Landgrebe.
So prall gefüllt der Veranstaltungskalender im Jahr 2012 auch sein mag: Einen Engpass an Hotelzimmern müssten Reisende nicht befürchten, meint Sengelhoff. Alle Nachbarstädte seien mit Auto, Bus und Bahn gut zu erreichen. Bei größeren Veranstaltungen könnten Besucher auch im Umkreis der Großstädte gut unterkommen. "Ich glaube nicht, dass man vor verschlossenen Türen stehen wird", sagt die Tourismus-Kennerin.
Artikel vom 16.02.2012