Telekom-Mitarbeiter in den USA haben "vor allem eines: Angst"

Während die Telekom in Deutschland einen guten Ruf als Arbeitgeber mit sozialem Engagement genieße, finde bei den Telekom-Beschäftigten in den USA das Gegenteil statt.
Auf eine T-Mobile-Niederlassung weist ein Schriftzug in Washington hin.
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Auf eine T-Mobile-Niederlassung weist ein Schriftzug in Washington hin. Foto: dpa

Bonn. John Logan legt Wert darauf: "Ich stehe hier als Forscher und nicht als Gewerkschafter. Und ich bin überhaupt nicht froh über das, was ich herausgefunden habe."

Der renommierte Professor für Arbeitsforschung an der Universität von San Francisco hat am Freitag in Bonn auf Einladung der Gewerkschaft Ver.di und amerikanischer Arbeitnehmervertreter seinen Bericht über die Arbeitspraktiken der Deutschen Telekom in den USA vorgelegt.

Zusammengefasst lautet das Ergebnis: Während die Telekom in Deutschland einen guten Ruf als Arbeitgeber mit sozialem Engagement genieße, finde bei den Telekom-Beschäftigten in den USA das Gegenteil statt.

Der Professor, der unter anderem zahlreiche anonymisierte Interviews mit T-Mobile-Beschäftigten in den USA geführt hat, spricht von "Gewerkschaftsvermeidung in der Tochtergesellschaft eines der Vorzeige-Unternehmen in Deutschland". Bei allen Gesprächen hätte sich gezeigt: Es fehlte an Transparenz und Fairness. "Die Beschäftigten hatten vor allem eines: Angst."

Meinung KommentarLesen Sie dazu auch den Kommentar " Befremdliche Angst"

Dabei handelt es sich laut Logan keineswegs um anti-gewerkschaftliches Verhalten einzelner Manager, sondern um eine "bewusste und systematische Politik der Gewerkschaftsvermeidung" von T-Mobile in den USA.

Professor John Logan, der auch in Berkeley und an der London School of Economics lehrte, urteilt: "Es ist bedauerlich angesichts des anderen Images, das die Deutsche Telekom in Deutschland präsentiert." Der Konzern hätte durchaus die Möglichkeit, sich kooperativer gegenüber den Beschäftigten zu verhalten - "auch zu seinem eigenen wirtschaftlichen Nutzen".

Weder Ver.di noch die US-Gewerkschaften CWA und UNI sind in dieser Angelegenheit gut auf die Deutsche Telekom zu sprechen. Aus diesem Grund hätten sie kürzlich die gemeinsame "Gewerkschaft für T-Mobile-Beschäftigte in den USA" (TU) gegründet.

Deren Hauptanliegen sei es, die doppelten Standards in der Behandlung der Beschäftigten dies- und jenseits des Atlantiks abzuschaffen. Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder appellierte an die Telekom, Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten auszuüben.

Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger hat dafür kein Verständnis und teilte am Freitag dem GA mit: "Die Deutsche Telekom respektiert überall auf der Welt die Arbeitnehmerrechte und ist ein fairer Gesprächspartner für gewählte Arbeitnehmervertretungen - ohne Wenn und Aber!"

Daher sei die "organisierte Kampagne" gegen die Deutsche Telekom "verleumderisch und verantwortungslos". Der Versuch, den Gewerkschaftszugang der CWA bei T-Mobile USA auf Biegen und Brechen durchzusetzen, sei völlig inakzeptabel.

Die Gründe, warum die US-Gewerkschaft CWA nach Ansicht des Konzerns den amerikanischen gesetzlichen Regelprozess scheut und stattdessen auf öffentliche Kampagnen setzt, liegen laut Sattelberger auf der Hand: "T-Mobile USA bietet seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über dem amerikanischen Standard liegende Arbeitsbedingungen und Konditionen.

Die Mitarbeiterzufriedenheit ist ausgesprochen hoch." Das Unternehmen sei erst kürzlich erneut unter die Top 100 der beliebtesten US-Arbeitgeber gewählt worden. Und Sattelberger fügt hinzu: "Wir hebeln keine nationalen Vorschriften aus."

Für Professor John Logan stellt es sich so dar: "Die Unternehmen haben in den USA rechtlich nichts zu fürchten. Und sie haben so gut wie keine Hemmungen, ihre Interessen durchzusetzen."

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