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Hauptversammlung des Bonner Konzerns
Lob für Post-Chef Appel
Von Julian Stech
Frankfurt. "Wie kommt die Nagelschere in die Hauptversammlung?" Triumphierend reckt die Kleinaktionärin am Rednerpult in der Frankfurter Jahrhunderthalle das Schneideutensil in die Höhe. Von Postchef Frank Appel verlangt sie Auskunft, wie es ihr gelingen konnte, die potenzielle Attentatswaffe durch die Sicherheitskontrollen am Eingang zu schleusen.
Reges Interesse: Aktionäre hören in Frankfurt die Rede von Post-Chef Frank Appel. Foto: ap
"Warum gibt es hier nur Salzbrezeln und keine Croissants?", fragt kurz darauf ein anderer Aktionär. Rund 1400 Anteilseigner sind nach Frankfurt angereist, um von Vorstand und Aufsichtsrat des Bonner Konzerns Informationen aus erster Hand zu erhalten. Nicht alle Fragen drehen sich dabei um das eigentliche Geschäft.
Doch Appel versucht, in den nächsten vier Stunden alles geduldig zu beantworten. Der Postchef erläutert den Aktionären die aus seiner Sicht ausgezeichnete Geschäftsentwicklung und erhält dafür auch die Zustimmung der meisten Redner.
"Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen bei der Post", sagt Aktionärsschützer Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Komplimente bekommt Appel auch für den Verkauf der Postbank. Das sei eine "gute Kurskorrektur" gewesen, sagt Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Kritik gibt es am E-Postbrief, für den die Post bis zum Jahr 2015 eine halbe Milliarde Euro investieren will, bisher aber kein nennenswertes Geschäft damit macht. Im Fokus der meisten Redebeiträge von Aktionären, die sich ums Geschäft der Post drehen, stehen die Arbeitsbedingungen im In- und Ausland.
Ingo Marowsky vom globalen Gewerkschaftsverband UNI erneuert Vorwürfe, die Posttochter DHL setze in Ländern wie Costa Rica, Panama und Südafrika Lügendetektoren zur Befragung von Mitarbeitern ein. In einem von DHL gemanagten Werk des US-Süßwarenkonzerns Hershey's waren Werksstudenten unzulässig ausgebeutet worden.
DHL musste dafür im Februar knapp 300.000 Dollar Strafe zahlen. Kritisiert wird von mehreren Rednern der Einsatz von Leiharbeitern zu Niedriglöhnen. Fragen gibt es auch zu Mobbingfällen im Inland, Gehaltskürzungen, nicht gezahlten Zuschlägen und nicht zuletzt zur Frauenquote. Appel räumt ein, dass ein weltweit agierender Konzern wie die Post in manchen Ländern vor besonderen Herausforderungen stehe.
"Da ist die Sicherheitslage kritisch bis sehr kritisch", so der Postchef. Lügendetektoren seien ein Thema, mit dem sich der Vorstand ständig beschäftige. Deren Einsatz dementiert Appel nicht. Leiharbeiter hält Appel für notwendig, um stark schwankende Nachfrage aufzufangen. Etwa zehn bis 15 Prozent der Belegschaft seien Leiharbeiter, sagt Appel, also weltweit rund 50.000 Frauen und Männer. "Wir halten in allen Fällen die jeweiligen rechtlichen Bedingungen ein."
Artikel vom 10.05.2012
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