Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Meckenheim. Ein unauffälliger weißer Lieferwagen parkt auf dem Firmenglände. Die Scheiben sind abgedunkelt.
Als Gerhard Henselmann die Schiebetür öffnet, wird klar, warum. Das Auto ist vollgestopft mit Elektronik. Henselmann drückt einen Knopf neben einem Bildschirm. Eine Luke im Dach öffnet sich und ein Kameramast fährt drohend aus.
"Diese Autos bauen wir für das Bundesinnenministerium", erläutert Henselmann, Geschäftsführer der Meckenheimer Elettronica GmbH. "Mit ihnen kann die Bereitschaftspolizei der Länder zum Beispiel bei Demonstrationen das Geschehen dokumentieren und Beweise sichern."
Viel mehr mag Henselmann nicht zum elektronischen Innenleben verraten. Klar ist aber: Mit dem Equipment sollen mögliche Straftaten erfasst und Straftäter identifiziert werden können.
"Entdecken, identifizieren und stören" bezeichnet Henselmann dementsprechend auch als Kompetenz von Elettronica, die im Geschäft mit militärischer Abwehrelektronik im Industriepark Kottenforst groß geworden ist.
Ingenieure bauen hier in Handarbeit etwa Störsender, mit denen der Eurofighter feindliches Radar verwirren soll, oder sie testen Antennen für Nato-Hubschrauber.
Seit 32 Jahren sitzt Elettronica in Meckenheim. Ursprünglich ein kleines Service-Center der römischen Muttergesellschaft, wuchs der Standort in den letzten beiden Jahren stark und beschäftigt inzwischen rund 80 Mitarbeiter (siehe Kasten).
Der Beweissicherungs- und Dokumentationskraftwagen BeDoKw - so die offizielle Bezeichnung für das Polizeiauto - eröffnet dem Unternehmen ein neues Geschäftsfeld und verringert die Abhängigkeit von Militäraufträgen.
52 Polizeiautos soll Elettronica bis Ende nächsten Jahres liefern. Die Rohkarossen werden alle in Handarbeit in Meckenheim ausgebaut, ein Millionengeschäft, bei dem Henselmann auch auf Anschlussaufträge hofft.
In einer anderen Halle des Unternehmens steht ein gerade aus Afghanistan zurückgekommener Fuchs-Panzer der Bundeswehr. Elettronica baut ihm auf dem Firmengelände ein neues Innenleben zur Ortung und Identifizierung feindlicher Aktivitäten ein.
Etwa eine Handvoll Panzer rüsten die Meckenheimer jährlich auf. Die Aufträge, um die sich Elettronica erfolgreich beworben habe, seien langfristig geplant gewesen, betont Henselmann. Dass der Standort vom Krieg in Afghanistan profitiere, will er so nicht bestätigen.
Henselmann diplomatisch: "Aus dem Einsatz ergeben sich zusätzliche Anforderungen und dadurch vielleicht auch zusätzliche Möglichkeiten."
Große Hoffnungen setzt Henselmann, der seit Anfang 2009 die Geschäfte bei Elettronica führt und zuvor lange beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gearbeitet hat, auf eine Neuentwicklung:
Eine lasergestützte Selbstschutzeinrichtung, die Flugzeuge vor Abschussraketen schützen soll. Kern ist hier ein von Elettronica gemeinsam mit einem israelischen Unternehmen entwickelter Störsender, der die anfliegende Rakete vom Flugzeug ablenkt.
Artikel vom 20.04.2010