Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Lossprechungen im Handwerk haben fühlbar etwas Befreiendes. Während vorne an der Bühne der Stadthalle die drei diesjährigen Prüfungsbesten der KFZ-Innung Bonn/Rhein-Sieg fürs Foto posierten, ließen sich an den Tischen die übrigen Absolventen der Gesellenprüfungen ausgelassen von ihren Familien beglückwünschen. Insgesamt waren es 95 Kfz-Mechatroniker, fünf Kfz-Servicemechaniker und 22 Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, die was zu feiern hatten.
Kfz-Mechatroniker Philipp Schmitz aus Sankt Augustin, Kfz-Servicemechaniker Gerd Gunther Grahl aus Swisttal sowie Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker Andreas Völliger aus Zülpich nahmen als Beste ihre Urkunden entgegen.
"122 neue Fachkräfte im Kfz-Gewerbe in der Region, das ist ein guter Schnitt", betonte Obermeister Manfred Jansen. Im Bereich Bonn/Rhein-Sieg herrsche kein Facharbeitermangel. Auch 251 neue Ausbildungsverhältnisse im vergangenen Jahr belegten eine gleichbleibende Attraktivität der Kfz-Berufe. Von daher sei es nicht nachvollziehbar, dass die Anzahl der aktuell eingehenden Bewerbungen zurückgehe.
Dass 15 Kandidaten das Ziel dieses Mal nicht erreicht hätten, zeige aber auch, dass in der Praxis die Anforderungen höher geworden seien, erklärte der Prüfungsausschussvorsitzende Heinz Berhausen dem GA. "Mit links geht das bei so viel Elektronik in den Wagen nicht mehr. Man muss es schon wirklich wollen." Geschäftsführer Ernst Wittlich bedauerte jedoch, dass der 2004 eingeführte Beruf des Servicemechanikers auslaufen müsse.
Diese zweijährige Ausbildung habe bundesweit noch nicht Tritt fassen können. Dies dürfe jedoch eigentlich nicht Anlass sein, dieses Berufsbild kampflos aufzugeben. "Zirka 50 neue Ausbildungsverträge zum Servicemechaniker dokumentieren, dass zumindest in unserer Region eine starke Nachfrage für diesen Ausbildungsberuf besteht. Diese Leute haben keine Chance mehr und fallen jetzt durchs Raster", kommentierte Wittlich die entsprechende Entscheidung der Gewerkschaften.
Derweil freuten sich unter den vielen jungen Männern auch drei Frauen über ihre Lossprechung. Jessica Grollius, Hannah Jeske und Ursula Wymar erzählten, dass ihre männlichen Kollegen anfangs skeptisch auf sie reagiert hätten, bevor man zur Tagesordnung übergehen konnte.
"Da darf man dann eben nicht alles ernst nehmen", meinte Wymar. "Und sich vor allem nichts gefallen lassen", ergänzte Grollius. Wenn sie bedenke, dass ihre Mutter nie gedacht hätte, dass die Tochter "das hier wirklich durchziehen würde", dann sei sie nun richtig stolz.
Artikel vom 22.02.2012