Zehn Mark für einen Zeitschriften-Text

Lutz Irgel, Inhaber des Bornheimer Pflegemittelherstellers Collo, erzählt über sein erstes selbst verdientes Geld

Lutz Irgel von der Firma Collo in Bornheim-Hersel. Foto: Henry

Das erste selbst verdiente Geld: Ein wichtiger Schritt für junge Menschen, der mit wertvollen Erfahrungen verbunden ist. In einer Serie stellt der General-Anzeiger Führungskräfte aus der Region und ihre Jugendjobs vor. Freitag erinnert sich Lutz Irgel, Inhaber und Chef des Reinigungs- und Pflegemittelherstellers Collo GmbH in Bornheim (Collo, Polifac). Die Fragen stellte Julian Stech.

General-Anzeiger: Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient? Wie alt waren Sie damals? Wie lange haben Sie die Tätigkeit ausgeübt? Wie viel haben Sie dabei verdient?

Lutz Irgel: Mein erstes Geld waren 10 D-Mark 1949, also ein Jahr nach der Währungsreform, für meinen ersten Artikel in der Jugendzeitschrift Klecks über die Tour de France. Mein Klassenlehrer hatte festgestellt, ich sei sprachlich sehr begabt (Lesen, Aufsatz, Diktat, Schreiben "gut"). Daraus ergab sich die Anregung, für Klecks einen Artikel aus junger Feder zu formulieren. Ich zählte 14 Jahre. Ich fahre heute noch Fahrrad - aber nur das stationäre indoor.

Vor 60 Jahren startete ich dann meine Lehre als Industriekaufmann bei der Kraftversorgung Rhein-Wied AG in Neuwied. Von dem ersten Lehrlingseinkommen (25 D-Mark) spendierte ich meiner Mutter Windbeutel aus der berühmten Konditorei Köpper. Nach gut zwei Jahren schloss ich die Lehre - dann 35 Mark monatlich - als Bester in Rheinland-Pfalz ab und erhielt als Anerkennung einen Opernführer.

Ich war und bin stolz auf den Opernführer, keineswegs enttäuscht. Er hat mich vor manchem Opernbesuch detailliert informiert. Hinsichtlich moderner Operninszenierungen gebricht es mir indes zumeist an Akzeptanz.

GA: Wie kamen der Job und der Kontakt zustande?

Irgel: Der Terminus Job war noch nicht im Schwange. Es sollte, musste aus der Sicht meiner Eltern eine seriöse berufliche Plattform für die Zukunft sein.

GA: Was oder wer hat dabei geholfen?

Irgel: Allgemein freilich das Wirtschaftswunder. Noch heute zieren unter anderem handsignierte Bilder von Ludwig Erhard, Konrad Adenauer und Alfred Dregger mein Büro, und ich habe in Buch- und Zeitungsveröffentlichungen eine Lanze für die Marktwirtschaft gebrochen.

GA: Was hat der Job sonst noch gebracht?

Irgel: 1 000 D-Mark Gehalt, die ich 23jährig als Geschäftsführerassistent von Konsul Hussel (Douglas-Keimzelle) verdiente. Danach war nicht gerade Schmalhans Küchenmeister, aber ich nahm finanzielle Einbußen in Kauf, um meine Berufslaufbahn so zu gestalten, wie sie mir am erfolgversprechendsten schien.

1968/69 hatte ich dann als Prinz Karneval von Bonn auch über den Gesang Kontakt zu "Pinke Pinke" und nahm danach als dreifacher Familienvater und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Collo GmbH das betriebswirtschaftliche Studium auf, das mich auch akademisch mit Geld umgehen ließ.

Zur Person

Lutz Irgel (76) ist Inhaber und Geschäftsführer der 1936 gegründeten Collo GmbH, Bornheim. In den 60er Jahren stieg er dort zum Geschäftsführer und Vorsitzenden der Geschäftsleitung auf. 1980 übernahm Irgel alle Collo-Anteile von Gründer Rolf Moroni und der Kirche. Bis 2008, über 43 Jahre lang, war Irgel ehrenamtlicher Richter am Land-, Sozial- und Finanzgericht. 19 Buch- und 600 Zeitungsveröffentlichungen gehen auf sein Konto. Irgel ist Träger des Bundesverdienst- und des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. Er ist mehr als 50 Jahre verheiratet mit Inge. Im Karneval 1968/69 war er Prinz in Bonn mit Inge II. als Bonna an seiner Seite.

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