Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Bonn. Das erste selbst verdiente Geld: Ein wichtiger Schritt für junge Menschen, der mit wertvollen Erfahrungen verbunden ist. In einer Serie stellt der General-Anzeiger Führungskräfte aus der Region und ihre Jugendjobs vor. Heute erinnert sich Philipp C. A. Klais, Orgelbauer, Mitinhaber und Urenkel des Unternehmensgründers der Bonner Traditionsfirma Johannes Klais Orgelbau GmbH & Co KG. Die Fragen stellte Christiane Ruoß.
General-Anzeiger: Womit haben Sie ihr erstes Geld verdient und wie alt waren Sie damals?
Philipp Klais: Mein erstes Geld habe ich natürlich, wie viele andere auch, als Schüler verdient, mit dem Austragen von Zeitungen, Rundbriefen und so weiter. Das erste Mal, dass ich aber wirklich das Gefühl hatte, "mein erstes Geld" verdient zu haben, wirklich selbstständig auf eigenen Beinen stehen zu können, war mit dem Beginn meines Zivildienstes: Ich habe Zivildienst in der Schwerstbehinderten-Betreuung geleistet, im Bereich Rund-um-die-Uhr-Betreuung eines schwerstbehinderten jungen Mannes.
GA: Wie lange haben Sie die Tätigkeit ausgeübt und wie viel haben Sie dabei verdient?
Klais: Für diese Arbeit über 20 Monate habe ich, wenn ich mich recht erinnere, inklusive Wohngeld, Verpflegungsgeld, Kleidergeld und allen Zulagen, die mir damals unvorstellbar hoch erscheinende Summe von 580 DM erhalten, und ich hatte wirklich das Gefühl, damit auf eigenen Füßen stehen, auskommen zu können. Ich habe zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu Hause gewohnt, sondern mir ein Zimmer in einer WG geteilt.
GA: Wie kamen der Job und der Kontakt zustande?
Klais: Diese Zivildienststelle habe ich von einem Freund übernommen, mit dem ich zusammen zur Schule gegangen bin, und der sie vor mir ausgefüllt hatte. Ich hatte mich beim Arbeiter-Samariter-Bund auf die Stelle beworben und sie auch direkt bekommen.
GA: Was haben Sie dabei gelernt?
Klais: Ausgebildet wurden wir für die Stelle in einem vierwöchigen Intensivlehrgang in Heidelberg, der sich sowohl aus Theorie als auch aus einem Praktikum an einer Unfallklinik dort zusammengesetzt hat. Ich habe dabei unendlich viel gelernt im Umgang mit Menschen, in der Verantwortung für andere Menschen, aber auch so einfache und banale Dinge wie kochen, eine Wohnung sauber halten, waschen, bügeln - alles, was zum Leben gehört.
GA: Was hat der Job sonst noch gebracht?
Klais: Ich habe natürlich auch vieles aus dem Bereich der Pflege von Schwerstbehinderten erfahren, was ich sonst niemals kennengelernt hätte und nicht missen möchte. Ich habe 20 Monate Zivildienst geleistet und finde es persönlich sehr schade, dass es den Zivildienst nicht mehr gibt. Für mich hat diese Zeit nie eine Last, sondern eine große Bereicherung dargestellt. Viele Dinge habe ich danach völlig anders gesehen.
Artikel vom 06.08.2011