Die ZAV vermittelt Fachkräfte weltweit

BONN.  Hier vermitteln Spezialisten Spezialisten: Die "Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit" arbeitet weltweit von Bonn aus.

Facharbeitskräfte nach Deutschland holt die ZAV. Foto: Berger

Großes Theater: Schauspiel, Gesang und Tanz - Vorstellungen mit 200 und mehr Mitwirkenden - und die Veranstalterin ist eine Bonner Behörde, die "Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit" (ZAV) aus der Villemombler Straße. Zu deren Aufführungen wird ein sorgfältig ausgewähltes Publikum eingeladen.

Der Vorhang öffnet sich dabei für Absolventen von 22 staatlichen Hochschulen. Das alles gehört zu der "Präsentation" genannten Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Rheinischen Landestheater in Neuss auf die Bühne gebracht wird. Es ist ein "Vorsprechen", bei dem sich Jungschauspieler den Talentsuchern von Theatern, Film und Fernsehen präsentieren und - mit etwas Glück - für eine Produktion oder gar eine ganze Spielzeit engagiert werden. Darauf kommt es der ZAV an. Die Vermittlung von Künstlern gehört zu ihren Kernaufgaben.

Vor über 60 Jahren stellten die Länderarbeitsminister in Deutschland zusammen mit den Präsidenten der Landesarbeitsämter fest, dass die Arbeitsämter zwar erfolgreich sind, wenn es um Landwirtschafts-, Handwerks-, Handels- oder Industrieberufe geht, aber schon wenn zum Ende der Wintersaison Hotelfachkräfte von den Alpen an die See vermittelt werden sollten, gab es Probleme.

Hinzu kam, dass die Vermittlung regional und nicht überregional organisiert war. Ab 1950 wurden dazu noch ausländische Arbeitskräfte angeworben, das sollte zentral organisiert werden. Ein Arbeitsamt für alle Spezialfälle wurde deshalb die "Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Landesarbeitsämter im Bundesgebiet" in Köln gegründet.

Die ZAV meldet sich aus dem Bonner Stadtteil Duisdorf

Aus dieser "Zentralstelle" wurde im Lauf der Zeit die heutige ZAV. Die Abkürzung ist alt und passt auch nicht mehr so recht, aber man hielt an ihr fest, selbst dann, wenn sich - wie mehrfach - der Name der damit verbundenen Behörde änderte und sogar deren Sitz wechselte. In Frankfurt war sie die "Zentralstelle für Arbeitsvermittlung und Vermittlungsaustausch" und musste sich nun vermehrt um ausländische Arbeitskräfte kümmern. Heute wird ZAV mit der Amtsbezeichnung "Zentrale Auslands- und Fachvermittlung" übersetzt. 1999 zog die Behörde von Frankfurt nach Bonn um, so wie das im Rahmen des Bonn-Berlin-Gesetzes vereinbart worden war. Da es im Bundeswirtschaftsministerium freie Räume gab, meldet sich die ZAV seither aus dem Bonner Stadtteil Duisdorf.

Das "Z" für Zentrale in der Abkürzung ZAV stimmt gleich mehrfach. Von hier aus werden einige Berufsgruppen zentral betreut, wie etwa die der Manager, die besonders flexibel und meist nicht regional gebunden sind, wenn sie sich beruflich verändern wollen. Bonn ist dazu die Zentrale für die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. Gegenwärtig werden international etwa Ärzte, Ingenieure und IT-Fachkräfte, Krankenschwestern und Altenpfleger international gesucht.

In einigen Ländern geht die ZAV mit Beratungsveranstaltungen direkt auf entsprechende Fachleute zu. Gegenwärtig interessieren sich eine Reihe gut qualifizierter Spanier und Griechen für eine Arbeit in Deutschland. In ihrer Heimat gibt es gegenwärtig zu wenige Chancen für sie. Darüber hinaus werden von der Villemombler Straße aus auch die 17 regionalen Niederlassungen der ZAV in ganz Deutschland gesteuert. Diese Filialen betreuen in ihrem Bezirk etwa "Großkunden" - ebenso wie lokale Konzertveranstalter und auch die Theater ihrer Region. Schnelle Hilfe wird dort etwa gebraucht, wenn wegen Krankheit plötzlich eine Schauspielerin ausfällt oder aber im Orchester ein Geiger fehlt. Selbst wenn für eine Betriebsfeier ein Bauchredner gewünscht wird: ZAV-Mitarbeiter kümmern sich darum.

Die Zentrale Fachvermittlung ist die Anlaufstelle für alle, die Saisonarbeitskräfte suchen. Jedes Jahr im Herbst werden zu Tausenden Erntehelfer für die Weinlese oder die Obsternte gebraucht. Im Frühjahr könnte ohne sie vielerorts der Spargel nicht gestochen werden. Wenn die Helfer aus Ländern kommen, für die die EU-Regelungen der freien Arbeitsplatzwahl in Europa nicht gelten, brauchen sie Arbeitserlaubnisse der ZAV. Auch die Pflegekräfte aus Russland, die sich um alte Menschen kümmern sollen, die ihre altvertraute Umgebung nicht verlassen wollen, brauchen Papiere von der ZAV. Sie ist dazu die erste Anlaufadresse für Nicht-EU-Ausländer, die in der Bundesrepublik arbeiten wollen.

Arbeit bei der ZAV

Für die ZAV arbeiten knapp 1000 Mitarbeiter. Dass die Zahl der Planstellen mit 814 deutlich darunter liegt, ist die Folge von Stellenteilungen. Das gilt auch für Bonn. Im Stellenplan der Zentrale stehen 336,5 Planstellen, die mit 416 Beschäftigten besetzt wurden. Das Amt fördere die familienfreundliche Arbeitseinteilung samt den dazugehörigen Teilzeitstellen, wird der Unterschied zwischen den Zahlen erklärt. Die Bereitschaft Teilzeitplätze oder gar Telearbeitsplätze einzurichten ist nicht nur reine Freundlichkeit gegenüber den Mitarbeitern. Sie nutzt auch der ZAV selbst. Mitarbeiter, die alle Sonderfälle des Arbeitsrechts kennen, Ansprechpartner für Topleute sind und - so in der Künstlervermittlung - Talente und Begabungen erkennen und wissen, wo es Engagements gibt, mehrere Sprachen sprechen und auf den Arbeitsmärkten gut vernetzt sind, findet man nicht so schnell.

Vom Amt für Militärkunde bis zum Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik - rund 50 Bundesbehörden gibt es in Bonn, einige weitere in der Region. In dieser Serie stellt der GA einige von ihnen vor.

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