Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Bonn. Der "blaue Topas mit kleinsten Macken an den Kanten" ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland - noch! Er wird versteigert. Das aktuelle Gebot liegt bei 175 Euro. Die "Herrenarmbanduhr Cartier Pasha, gebraucht" bringt 1 600 Euro - bis jetzt. Die Auktion läuft noch vier Tage. Danach heißt es dann "zum Ersten, zum Zweiten, zum..." - wie bei Auktionen in einem Saal auch, nur dass hier der Zuschlag elektronisch erfolgt.
Unter www.zoll-auktion.de werden rund um die Uhr Gegenstände, die von Ämtern beschlagnahmt oder gepfändet wurden, zusammen mit allem, was Bundesbehörden aussondern, versteigert. Auf der Auktionsliste finden sich die unterschiedlichsten Objekte. Der VW-Transporter und die Vorbauschneefräse werden hier zusammen mit Kaffee und Parfüm bis hin zum "LCD-Fernseher 81 cm" aufgelistet.
Diese amtliche Konkurrenz zu Ebay & Co. funktioniert dank ZIVIT. Diese Behörde hat sogar einige Finessen erfunden, die es bei den rein kommerziellen Auktionsplattformen nicht gibt. Ein automatischer "Auktionsassistent" kann dabei sogar für einen Bieter arbeiten, falls der gerade verhindert ist.
Die Behörde ist "IT-Dienstleister für die Bundesverwaltung mit dem Schwerpunkt Finanzverwaltung (Zoll, Steuern, Finanzen)" - wie es in der Eigenbeschreibung heißt. Man könnte von "Amtshilfe" in Sachen Elektronik sprechen, doch für das ZIVIT handelt es sich um Kundenbetreuung. "Wir arbeiten auftragsorientiert", betonen die ZIVIT-Leute, und statt Bearbeitungsfällen gebe es für sie nur "Kunden". Allerdings kann nicht jeder Auftrag angenommen werden, "das ZIVIT ist ausschließlich für den Bund tätig".
Auch wenn sich die Behörde mit Hauptsitz in Bonn-Beuel mit modernster Softwareentwicklung für Ämter, Datenbankdesign und Datenschutz, Internet-Architektur und -Sicherheit beschäftigt, kann sie auf eine 55-jährige Geschichte zurück blicken. 1956 wurde in Bonn-Mehlem die noch weitgehend auf Mechanik angewiesene Datentechnik aufgebaut, mit der die Vergütungen für Bundesbedienstete berechnet und angewiesen wurden.
Programme rund um die Besoldung gibt es beim ZIVIT noch immer, doch das ist nur ein Arbeitsfeld von vielen. Die 1 291 Mitarbeiter dieser Behörde entwickeln Programme für den Zoll, die Bundesfinanzverwaltung und die zu ihr gehörenden Behörden. Manche davon sind sehr speziell, weil sie eben nur im Ministerium oder in Fachabteilungen gebraucht werden.
Dazu betreuen die ZIVIT-Beschäftigten die amtlichen Computer und helfen, wenn es hier irgendwo klemmt. Wenn neue Anlagen gebraucht werden, sind sie die Fachleute, die für die Planung herangezogen werden. Das Amt soll auch zur Effizienzsteigerung und zur Modernisierung der Behörden beitragen. Dazu wurden sechs IT-Dienstleistungszentren des Zolls übernommen und 2006 die Abteilung Informationsverarbeitung des Bundesministeriums für Finanzen mit dem ZIVIT verschmolzen.
Damit die Betreuung ("der Support") der Datenverarbeitungsanlagen und - nicht minder wichtig - der Leute, die mit ihnen arbeiten, problemlos funktioniert, arbeiten außer in Bonn ZIVIT-Experten in den Dienststellen Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Karlsruhe, Hannover und Stuttgart für diese Behörde.
Als letzter ist ein zusätzlicher Dienstsitz Berlin mit zurzeit 82 Mitarbeitern eingerichtet worden, die vor allem das Finanzministerium in Fragen der Informationsverarbeitung unterstützen. Der Finanzminister ist damit gleichzeitig Dienstvorgesetzter und Kunde dieses Amtes. Das ZIVIT ist als eine selbstständige staatliche Einrichtung, die dem Finanzministerium angegliedert ist, organisiert.
An vielen Behördenvorgängen, mit denen Bürger und auch Öffentlich-Bedienstete zu tun haben, Steuerformularen, Zollerklärungen und so weiter - bis zur computergestützten Bearbeitung für die Beihilfe für kranke Mitarbeiter von Behörden - ist das ZIVIT beteiligt. Dass man nichts davon merkt, muss nicht erstaunen. Schließlich weiß ja auch kein Computernutzer, wer die Programme ausgearbeitet hat, die zum Beispiel E-Mails zu ihrem Empfänger schicken.
Artikel vom 27.04.2011