Bonner VBLU ist eine besondere Rentenkasse

Bundestagsabgeordnete brauchen das Alter nicht zu fürchten. Ihr Altersruhegeld ist sicher - dafür haben sie in seltener Einigkeit selbst gesorgt.

Foto: Barbara Frommann

Bonn. Bundestagsabgeordnete brauchen das Alter nicht zu fürchten. Ihr Altersruhegeld ist sicher - dafür haben sie in seltener Einigkeit selbst gesorgt.

Was aber ist mit den Mitarbeitern, die ihnen bei der Parlamentsarbeit zur Hand gehen? Sie sind weder Beamte und auch keine Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, für sie ist die Rentenkasse zuständig. Das aber wäre guten Leuten im Vergleich zur Konkurrenz in der freien Wirtschaft zu wenig. Deshalb wird auch für sie eine "Betriebsrente" gebraucht, mit der die gesetzliche Rente aufgestockt wird.

Dass es dafür Möglichkeiten gibt, verdanken die Mitarbeiter der Parlamentarier - und nicht nur sie - einer Initiative des Bundesministeriums für Finanzen. Vor 47 Jahren wurde auf Drängen des Ministeriums eine Zusatzkasse für die Beschäftigten nichtstaatlicher aber dennoch staatsnaher Institutionen und für Mitarbeiter von Verbänden und Vereinen, für deren Arbeit es Zuschüsse aus öffentlichen Kassen gibt, geschaffen.

Der "Versorgungsverband Bundes- und Landesgeförderter Unternehmen" ("VBLU") ist für die Zusatzversorgung von Beschäftigten solcher Einrichtungen zuständig. Es galt, eine Kasse für die "optimale zusätzliche Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenversorgung" für Arbeitnehmer in staatsgeförderten Institutionen zu schaffen, beschreibt dieser Versorgungsverband seine Aufgabe.

Einzelmitgliedschaften gibt es nicht, nur Organisationen können von der Arbeit des VBLU profitieren. Deshalb mussten etwa die Bundestagsabgeordneten eine "Gemeinschaft der Mitglieder des Deutschen Bundestages" gründen, über die inzwischen 1 500 Mitarbeiter der Abgeordneten abgesichert werden.

Verbände und Vereine, deren Arbeit von der Bundesregierung oder einem Bundesland finanziell unterstützt wird, können ihre hauptamtlichen Mitarbeiter über diese Versorgungskasse absichern.

So etwa die politischen Bildungswerke, der Kinderschutzbund, Verbraucherverbände, die Stiftung Warentest, die Welthungerhilfe, die Lebenshilfe für geistig Behinderte, der Verkehrssicherheitsrat, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Nationale Olympische Komitee für Deutschland, und selbst die Deutsche Reiterliche Vereinigung oder die Arbeiterwohlfahrt sichern über den VBLU die Zusatz-Altersbezüge für ihre Mitarbeiter ab.

Da sehr viele Organisationen vom Bund oder von einem Land oder gleich mehreren Ländern mit Steuergeldern gefördert werden, fehlt es dem VBLU nicht an Mitgliedern. Gegenwärtig nutzen 4 000 "Unternehmen" diese Versorgungseinrichtung für ihre insgesamt 160 000 Beschäftigten.

Der VBLU ist gemeinnützig und darf Gewinne erzielen. Die im Versicherungswesen üblichen Provisionen und Honorare kann es hier nicht geben. Das trägt dazu bei, dass diese Versorgungskasse besonders günstig ist. Insgesamt kommt der VBLU mit 10 Mitarbeitern aus - Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern, Rechtsanwaltsgehilfinnen und Bürokaufleuten. Sie verwalten viel Geld.

Die Mitgliedsorganisationen zahlen gegenwärtig jährlich 158 Milliarden Euro an Beiträgen für ihre hier versicherten Beschäftigten ein. 3,7 Milliarden Euro Rückstellungen sorgen dafür, dass auch dann die Auszahlungen - im laufenden Jahr werden etwa 111 Millionen Euro Betriebsrenten ausgezahlt - abgesichert sind.

In der Bonner Gotenstraße 163 - dem Sitz dieses Versorgungsverbandes - werden die grundsätzlichen Entscheidungen getroffen. Von hier aus werden auch die Mitgliedsorganisationen betreut und die beiden Versicherungskonsortien überwacht, mit denen der Versorgungsverband zusammenarbeitet.

Vom Amt für Militärkunde bis zum Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik - rund 50 Bundesbehörden gibt es in Bonn, einige weitere in der Region. In dieser Serie stellt der GA einige von ihnen vor. Alle Folgen unter ga-bonn.de/behoerden.

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