Wildkatzen sollen im Siebengebirge wieder heimisch werden

SIEBENGEBIRGE.  War das nun eine "Aegidienberger Wildkatze"? Vor zwei Wochen erst hat ein einheimischer Spaziergänger im Logebachtal eine überfahrene Katze gefunden.

Das Fell einer Wildkatze zeigen 'Chance 7'-Projektleiter Georg Persch, Stadtförster Josef Klöckner und die Chance-Mitarbeiter Felix Knopp, Stefan Kolling und Mathias Herrmann. Foto: Frank Homann

Mathias Herrmann: "Glücklicherweise war er so sensibilisiert und hat uns benachrichtigt." am Mittwoch zeigte der Wildkatzen-Experte, der das Zukunftsprojekt "chance 7 - wir fördern Heimat" des Rhein-Sieg-Kreises begleitet, im Servatius-Forsthaus auf die markanten Merkmale des toten Tieres: der mächtige Kopf, der buschige Schwanz mit den schwarzen Ringeln am Ende, das getigerte Muster des Fells.

Das deutet auf Wildkatze hin. "Typisch Hauskatze ist allerdings die schwarze Hinterfläche des Fußes. Es ist eben auch für einen Fachmann nicht leicht, zweifelsfrei eine Wildkatze zu identifizieren. Es gibt auch Kreuzungen." Nun wird der promovierte Biologe das Fundtier untersuchen und auch genetisch analysieren lassen. Dann erst herrscht Klarheit. "Wenn ich morgen Spaghetti im Magen finde, dann hat sich das erledigt."

Diese Katze hatte offensichtlich keine Chance. Das Projekt "chance 7" aber soll auch den Wildkatzen gesicherte Lebensräume zwischen Siebengebirge und Sieg geben. Da ist von Biotopverbundachsen die Rede, von "Autobahnen" für wichtige Arten wie eben die Wildkatze. "Hier im Siebengebirge kann und soll sich die Wildkatze ausbreiten", sagt Georg Persch, der "chance 7"-Projektleiter beim Kreis.

"Sie kommt aus den östlichen Bundesländern über Hessen und das Sauerland. Jetzt wollen wir Pfade ausmachen, wie die Katze geleitet werden kann." Diplom-Biologe Stefan Kolling erläutert: "Im Rothaargebirge gibt es Wildkatzen, im Neuwieder Becken bis in den Westerwald. Im Siebengebirge haben wir vereinzelte Nachweise." Nun wird den Wildkatzen hier "aufgelauert". 200 bis 400 Lockstöcke werden aufgestellt.

Mathias Herrmann, der Freilandforschung betreibt, demonstrierte das Vorgehen. Er schlug den Stab in den Boden. Zermahlene Baldrianwurzel streute er in eine Mulde am oberen Pflock-Ende, versiegelte sie mit einem Korken, und beträufelte den Stab zusätzlich mit einigen Tropfen Baldriantinktur. Auf Baldrian "fliegen" Katzen ja bekanntlich. Der Stock ist angeraut, so dass sich die Katze daran scheuern kann.

Das erhoffte Ergebnis: Es bleiben Haare hängen, die genetisch untersucht werden. Außerdem kann eine Fotofalle am benachbarten Baum "Passfotos" machen, die dann zeigen, wer sich hier herumgetrieben hat. Noch eine Möglichkeit, um Wildkatzen auf die Spur zu kommen: Herrmann hatte gerade in der Eifel zwei Wildkatzen gefangen und mit Minisendern ausgestattet. Jetzt ist er gespannt, ob und wo im Siebengebirge Wildkatzen dem "Lockduft" folgen.

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