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Glosse
Su jesinn: Der Imi hat recht
Von GA-Mitarbeiter Reiner Narr
Er hätte ja wenigstens bis Aschermittwoch warten können, dieser eher als karnevalistischer Naserümpfer bekannte Möchtegern-Rheinländer, der sogar qua Geburtsurkunde Imi ist.
Reiner Narr
Der gleiche Typ übrigens, der jedem, der es nicht hören will, zu erläutern versucht, dass der Spaßfaktor an karnevalistischer Ausgelassenheit heute doch ohnehin nur noch in Promille gemessen wird.
Doch in rheinischer Großzügigkeit sei ihm das Wort gestattet.
"Du", sagt er, "in diesem Jahr ist irgendetwas anders".
Und was? "Viele Jecken sind einfach anders!"
Wieso? "Nimm mal die Kostüme."
Kostüme? "Klar, in den letzten Sessionen musstest du einfach cool rüberkommen. Er, gegelt, Sonnenbank gegerbt, mit Brusthaarimplantat. Sie, unten eher kurz und oben durchaus knapp. Das war trendy."
Warum war trendy? "Ich hab' den Wandel gesehen."
Wo? "In Meckenheim etwa. Da kam eine Frauengruppe als Waschmaschinen daher. In Todenfeld, wo Mädchen Schilder - Rumzicken verboten - trugen. Überhaupt: Mir ist der Mut aufgefallen, sich selbst auf den Arm zu nehmen, sich spaßig, manchmal mit Mut zur Hässlichkeit, auch albern zu verkleiden. Wie dieser 2,08-Meter-Riese in Bonn, der den Zwerg gab."
Hm, jetzt, wo Du das so sagst.
"Aber es sind auch die Themen. Wie in Stieldorf, wo kostümiert und in Reimform vom Pfarrer von der Kanzel aus Umweltsünden angeprangert werden. Oder in Hersel, wo der evangelische Pfarrer gemeinsam mit seinem Kollegen von der anderen Fakultät aus dem Papamobil heraus das Fußvolk bespaßt."
Fein beobachtet! "Danke, Danke. Nur die in Dünstekoven, die machen mir Sorgen."
Wieso? "Die wollen doch tatsächlich Gras legalisieren."
Womit der Zeitpunkt erreicht ist, unserem Imi das Wort und das Kölsch zu entziehen. Wollen doch die Dünstekovener nur ihren gewünschten Kunstrasen-Fußballplatz im Gespräch halten.
Aber Scherz beiseite. Der Imi hat recht. Und es tut der fünften Jahreszeit gut, wenn die Strukturen des Maskierens, Verkleidens und ritualisierter Ausgelassenheit fließend sind. Und nicht nur im Glas.
Artikel vom 22.02.2012
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