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"Kunibertshöfe - Möglichkeiten der Nachverdichtung zwischen Vergangenheit und Zukunft" haben die beiden Studenten ihr Bebauungskonzept für das verwilderte Grundstück an der Duisdorfer Straße genannt.
Sie verweisen damit auf die lange landwirtschaftliche Geschichte in diesem Witterschlicker Gebiet, in dem jahrhundertelang auch ein Gut des Kölner Klosters St. Kunibert bestand. Doch das ist Geschichte. Das Areal, das im Zentrum der Bachelorarbeit steht, liegt in unmittelbarer Nähe zum Werksgelände der Deutschen Steinzeug. Auch dort gab es seit Mitte des 17. Jahrhunderts einen Hof, der Ende des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Schneider überging. Davon zeugt heute kaum mehr als ein altes Fachwerkhaus.
Kunibertshöfe "ein Bindeglied zwischen Ort und Industrie"
In ihrer Abschlussarbeit des vierjährigen Bachelorstudiengangs "Architektur und Stadtraum" haben Brixius und Bauske das seit Jahren ungenutzte Gelände auf dem Reißbrett aus dem Dornröschenschlaf geweckt. "Das gut 7500 Quadratmeter große Grundstück bietet großes Potenzial", waren sie sich einig. Darauf gestoßen sind sie, als Bauske ein Praktikum in einem Architektenbüro absolvierte, das mit der Entwicklung des Grundstücks beauftragt ist.
Die Fläche zwischen Bahnhof und Dorfzentrum liege "an der Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart", heißt es in der Bachelorarbeit. Zugleich bilde sie "ein Bindeglied zwischen Ort und Industrie". Statt Mononutzungen, die scheiterten, konzentrierten sich die Studenten auf größtmögliche Durchmischung. Eine multistrukturelle Nutzung soll die Interessen der Deutschen Steinzeug, des größten Witterschlicker Arbeitgebers, und Wünsche der Bürger berücksichtigen.
In einem zweigeschossigen Gebäuderiegel zum Werksgelände hin sieht der Entwurf einen Bio-Markt, ein Zentrum mit Praxen und Seminarräumen, Büros für Start-Up-Unternehmer und Räume für die Deutsche Steinzeug vor. In einem nunmehr schallgeschützten Innenbereich könnten dann Reihenhäuser mit Gärtchen und Ferienappartements stehen. Im denkmalgeschützten Fachwerkhaus wäre Gastronomie mit Biergarten denkbar. Aufschluss über die Wünsche von Bürgern lieferte den Studenten eine Fragebogenaktion in Witterschlick. Dabei erfuhren sie, dass ein dorftypischer ruhiger Platz im Grünen vermisst wird mit Sitzflächen für Erwachsene und Spielflächen für Kinder.
Wie es mit dem Areal weitergeht, ist ungewiss
Deshalb haben die Studenten zwischen Gewerbe- und Wohnbebauung einen begrünten Dorfplatz und einen Weg in Richtung Kirche und Zentrum vorgesehen. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen des Bundes Deutscher Architekten honorierte die Abschlussarbeit der beiden mit seinem Studienpreis "BDA Masters". Sie erhielten für ihren Entwurf ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro. "Das war unser erster Bachelor-Jahrgang und gleich ein Volltreffer", freut sich Professor Benedikt Stahl (51) vom Fachbereich Architektur der Alanus Hochschule. Er hat zusammen mit Professor Swen Geiss (44) die Arbeit von Maren Brixius und Benjamin Bauske betreut. Die Studenten arbeiten inzwischen Teilzeit in Architektenbüros und qualifizieren sich nun im Masterstudiengang "Prozessarchitektur" der Hochschule weiter.
Bauske: "Der Studiengang bietet uns die ideale Möglichkeit, eigenständig der Frage nachzugehen, wie man gemeinschaftsorientierte Projekte entwickeln kann und wie man eine Architektur schaffen kann, die nicht nur das Objekt, sondern auch den Prozess gestaltet."
Wie es mit dem Areal tatsächlich weiter geht, steht auf einem anderen Blatt. Grundstückeigentümer Josef Schneider möchte zurzeit keine Angaben zur weiteren Entwicklung machen. Aber um konkrete Umsetzungspläne ging es ja nicht. "Die Bachelorarbeit will in erster Linie Potenziale aufzeigen, was sein könnte", erläutert Stahl.
Artikel vom 27.01.2012