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Mahnmal für Nazi-Opfer
Stadt will unerlaubtes Kreuz im Rheinbacher Stadtpark entfernen
Von Doris Pfaff
RHEINBACH. Es klingt nach viel Bürgerengagement und einem offenen Umgang mit einem dunklen Kapitel Rheinbacher Stadtgeschichte: Der 83-jährige Hubert Pfahl hat am Freitag auf eigene Kosten ein großes, hölzernes Gedenkkreuz für die 1945 von Rheinbacher Nazis umgebrachten jungen Ukrainer im Rheinbacher Stadtpark aufhängen lassen. Allerdings hatte Pfahl dafür keine Genehmigung der Stadt. Der Ärger mit dem Ordnungsamt ist programmiert.
Nicht nur das, die Aktion wird auch bei einigen Stadtvätern für Unmut sorgen. Schließlich hatte der Kulturausschuss des Rheinbacher Rates erst im November einen ähnlichen Bürgerantrag von Peter Mohr abgelehnt.
Der 77-jährige Mohr, Mitglied der Freunde des Rheinbacher Stadtarchivs, hatte sich intensiv mit dem Tod der damals 17-jährigen Ukrainer beschäftigt. Wasili Grigoriew, Wladislaw Dejarew und Peter Spaak waren von Nazis aus ihrer Heimat verschleppt und in Rheinbach als "Fremdarbeiter" eingesetzt worden.
Am 26. Januar 1945 wurden die drei Jungen im Stadtpark erhängt, weil sie zwei Tage zuvor, bei Trümmer-Aufräumarbeiten gestohlen haben sollen: eine Damenjacke und Wein. Rund 150 Zwangsarbeiter aus der Umgebung mussten sich die Ermordung ansehen. Zwei Polizisten, ein städtischer Arbeiter und einige Nazis waren ebenfalls anwesend. Die Leichen der Jungen verscharrten die Nazis anschließend am Rande des Rheinbacher Stadtwalds. Die Täter sind nie für ihre Tat belangt worden.
"Ich war damals 15 Jahre alt und bin kurze Zeit später vorbeigekommen", sagt Hubert Pfahl. "Ich weiß auch, wo sie die Jungen verscharrt haben. Das muss doch jeder wissen, was da passiert ist", erklärt er, warum er das Kreuz hat aufhängen lassen. Noch hängt es dort zwischen zwei Bäumen, in der Nähe der Stelle, wo damals der Galgen stand.
Bürgermeister Stefan Raetz erklärte gestern auf GA-Anfrage: "Das geht nicht, dass auf städtischem Grund einfach Dinge angebracht werden. Es geht dabei nicht um Inhalte. Herr Pfahl hätte zumindest vorher fragen und einen Antrag stellen müssen." Pfahl werde nun aufgefordert, das Kreuz innerhalb einer Woche zu entfernen, so der Bürgermeister. Sonst werde es das Ordnungsamt tun.
Der Verwaltungschef hat bereits ein Foto entfernen lassen, das Pfahl am Baumstamm befestigt hatte. Es ist eine historische Aufnahme, die eine Gruppe uniformierter Männer zeigt. "Einige von ihnen waren dabei", steht darunter. Das sei eine pauschale Verurteilung, sagte Raetz. Und: "Der Baum ist doch keine Litfaßsäule."
Ende 1945 wurden die Leichen der Ukrainer auf dem Ehrenfriedhof der Stadt bestattet. Einer der Jungen allerdings nur als "Wladislaus", weil keiner den Nachnamen kannte. Mohr recherchierte lange und fand 2010 den Namen heraus, der inzwischen auf dem Gedenkkreuz nachgetragen wurde. Mohr wollte jedoch mehr: Eine Gedenktafel im Stadtpark, dort, wo die drei Jungen umgebracht wurden. "Ich hatte auch Unterstützung, das hätte keine Kosten bedeutet", so Mohr.
Doch sein Antrag wurde abgelehnt, weil kein eigenes neues Mahnmal geschaffen werden sollte und der Toten auf dem Ehrenfriedhof mit einem Gedenkstein gedacht werde (siehe nebenstehenden Bericht). "Ich kletter' nicht mit meinen 77 Jahren auf einen Baum und hänge selbst ein Kreuz auf", sagt Mohr. Aber: "Hochachtung, ich habe mir das Kreuz angeschaut, es ist würdig und schlicht. Das richtige Datum müsste angebracht werden."
Artikel vom 24.05.2012
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