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Jetzt läuft der Prozess
Schüler fiel nach Fußtritten ins Gleisbett der Linie 68
Von Benjamin Jeschor
BORNHEIM/BONN. 39-jähriger Bornheimer muss sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Bonner Landgericht verantworten.
"Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen." Wie dramatisch ein Vorfall an der Bahnhaltestelle Bornheim-Rathaus im vergangenen September war, wurde am Montag bei der Vernehmung des heute 16 Jahre alten Opfers vor dem Bonner Landgericht deutlich.
Ein arbeitsloser und drogenabhängiger 39-Jähriger aus Bornheim muss sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor der Schwurgerichtskammer verantworten. Der in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte soll am Abend des 26. September 2011 in der Bahn der Linie 68 ausgerastet sein, nachdem der Schüler in seinen Augen zu laut mit seiner Freundin telefoniert hatte.
Wie der Schüler angab, war es zunächst zu einem kurzen Streit gekommen. Dann habe sich der 39-Jährige neben ihn gesetzt und gedroht: "Ich bring' dich um, du Hurensohn." Daraufhin habe er den "sichtlich angetrunkenen" Mann vom Sitz geschubst und ihm kurz darauf auch einen Schlag verpasst.
Was dann passierte, hielt die Überwachungskamera der Bahn fest: Als der zur Tatzeit 15-Jährige zur Tür gegangen war, hatte der 39-Jährige die Verfolgung aufgenommen. Beim Aussteigen hatte er seine Bierflasche von der linken in die rechte Hand genommen - und eine Sekunde, nachdem der 39-Jährige die Bahn verlassen hatte, spritzte ein Bierschwall zurück in die Bahn. Der Angeklagte gab den Schlag mit der Bierflasche zwar zu. Er beteuerte allerdings, dass er nur zugeschlagen habe, da er befürchtet habe, dass der Schüler ihn noch einmal schlagen werde.
Eine Zeugin, eine 25 Jahre alte Studentin, hatte den Vorfall aus einigen Metern Entfernung beobachtet und war an der Haltestelle ebenfalls ausgestiegen. Sie will gesehen haben, dass der 39-Jährige "sofort zugeschlagen" hat und der Jugendliche bewusstlos in sich zusammengebrochen war.
Doch damit war noch nicht Schluss: Entgegen der Angaben des etliche Male vorbestraften Beschuldigten - er hatte einen Tritt zugegeben - war sich die Zeugin sicher, dass der Angeklagte den Schüler mindestens zwei Mal so heftig getreten hatte, dass dieser ins Gleisbett gefallen war. Während der 39-Jährige laut der Zeugin einfach davongegangen war, hatte die Studentin die Rettungskräfte alarmiert.
Das Opfer, das eine Kopfwunde, Schürfwunden und Prellungen erlitten hatte, war glücklicherweise wieder zu sich gekommen und hatte sich selbst auf den Bahnsteig hochziehen können, bevor eine Bahn gekommen war. Der Prozess wird fortgesetzt.
Artikel vom 15.05.2012
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