Romeo und Julia im Land von König Keks | GA-Bonn

Romeo und Julia im Land von König Keks

Mit einem Musical entführt der Ittenbacher Kinderchor seine Publikum in die süße Welt Krokantiens.
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 Foto: Holger Handt

Königswinter. "Heirate süß! Genieße süß!" Das ist eine der Devisen, die König Keks, Herrscher über das Land Krokantien, seinen Untertanen einverleibt. König Keks und sein Widersacher Baron Pfefferkorn, Oberhaupt der Chili-Inseln, sind zwei Protagonisten in dem "süß-scharfen" Musical "König Keks" von Peter Schindler. Dieses brachte nun in einer liebevollen und ausdrucksstarken Inszenierung der Ittenbacher Kinderchor unter der Leitung von Peter Höller im Philip-Neri-Saal zur Aufführung.

Es ist bereits das achte Musical, mit dem sich die rund 30 Sänger, ohne Ausnahme aus Ittenbach, auseinandersetzen, und bereits das dritte aus der Feder von Peter Schindler. Pauline Sosniok, alias König Keks, steht vor der Aufführung schon ganz aufgeregt am Eingang des Philip-Neri-Hauses. Das Headset hat sie bereits angelegt. Immerhin hat die Elfjährige einen gewaltigen Part zu bewältigen mit Gesangssoli und Sprechszenen. Dies alles führt sie schließlich sehr souverän aus, überzeugend und vor allem mit sehr schöner Stimme.

Der Komponist Peter Schindler, Jahrgang 1960, ist ein vielseitiger Künstler. Der mehrfach ausgezeichnete Pianist, Komponist, Organist, Produzent und Autor bewegt sich in vielen musikalischen Genres. Songs für Kinder, moderne Kirchenmusik gehören ebenso zu seinem Metier wie Jazz, Chansons, Musicals. Er hat zwei Bands ins Leben gerufen: Saltacello und Pipes & Phones. Die Textvorlage für "König Keks" und weitere Musicals hat er mit Co-Autorin Babette Dietrich geschaffen.

Der Philip-Neri-Saal füllt sich. Die Eltern scheinen mindestens genauso aufgeregt wie ihre Kinder. Sie winken ihren Zöglingen immer mal wieder zu, die oben auf der Balustrade auf ihren Auftritt warten. Peter Höller erteilt letzte Instruktionen, beruhigt die Kinder, weist die Techniker an.

Schließlich verdunkelt sich der Saal. Die Sänger stellen sich an der Türe auf.

Das Licht wechselt seine Farben - grelles Rot, kaltes Blau, Gummibärchen-Grün. Bunt wie die Farben der Süßigkeiten. "Wann kommt er nur?", singt König Keks. Er erwartet seinen Sohn Prinz Nougat pünktlich zum "St. Krokantius-Tag" von einer einjährigen Forschungsreise mit zahlreichen neuen süßen Rezepten zurück. Gleichzeitig soll es auch sein Hochzeitstag sein: Die drei Prinzessinnen mit den köstlichen Namen Gräfin Glukosa von Biskuit, Herzogin Marzipana von Mandelburg und Prinzessin Karamella von und zu Knuspringen haben sich schon auf das Feinste herausgeputzt, um die Auserwählte zu werden.

Doch es kommt alles anders. Gelatino (Elisabeth Kösters), ein verschnupftes Gummibärchen, kündigt die Ankunft des Prinzen (Pia Heinze) an. Dieser aber überrascht mit einer "scharfen" Nachricht: Er hat sein Herz bereits an Baronesse Oliva Pfefferkorn von den verfeindeten Chili-Inseln verschenkt. Eine weitere Katastrophe: Das Böse Brösel, ein gefürchtetes Krümelmonster aus dem Baumkuchenwald, hat eine ganze Division von der Garde der Gummibärchen mit verführerisch duftenden Trüffeln in eine Falle gelockt und anschließend karamellisiert.

Gelatino beweist Kämpfergeist: "Zeigt, dass wir Gummibärchen zusammenhalten wie Zucker und Gelatine!" So ziehen sie los, und Gelatinos Schnupfen erweist sich als lebensrettend: Während alle dem Trüffelduft erliegen und karamellisiert erstarren, ist Gelatino mit seinem mangelnden Geruchssinn "trüffel-resistent".

Elisabeth Kösters als Gelatino führt ihre Rolle sehr überzeugend aus, souverän und mit schönen Gesangseinlagen. Gelatino schließlich holt Oliva (Luisa Lehnberg) von den Chili-Inseln ab - ein gefährliches Unterfangen, denn Vater Baron Pfefferkorn (Moritz Reuter) möchte sie unbedingt mit einem "scharfen" Ehemann verheiraten.

Ende gut, alles gut: Die Gummibärchen werden aus ihrem Bann befreit, die Väter versöhnen sich, und Scharfes und Süßes dürfen eine Liaison eingehen. Frei nach Shakespeare also: eine Geschichte von Mut, Toleranz und Versöhnung, in der sich ähnlich wie Romeo und Julia ein forscher Prinz und eine mutige Baronesse aus zwei verfeindeten Dynastien verlieben...

Spannend wie die Geschichte ist auch die Musik. Die Musizierfreude der Band - Peter Höller (Klavier), Florian Heckmann (Bass) und Frederik Steen (Schlagzeug) - sprang auf das Publikum über, das zuweilen klatschend mit einfiel. Kurz vor der Hoch-Zeit des Karnevals kam das gaumenfreudige Stück gerade recht mit Salzstangen, Gummibärchen, Gelatine, Marzipan, Nougat - da regten sich bereits die Kamelle-Gelüste. Passenderweise erhielten die jungen Musiker im begeisterten Publikumstaumel Tüten mit Gummibärchen.

Der Ittenbacher Kinderchor nimmt weitere Sänger von der ersten bis siebten Klasse auf. Er probt immer dienstags von 15.30 bis 16.15 Uhr im Philip-Neri-Haus an der Kirchstraße.

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