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Lothar Vreden im Interview
"Riskieren Sie doch mal einen Besuch"
Von Roswitha Oschmann
OBERDOLLENDORF. Zu seinem Abschied spricht Lothar Vreden über seine Jahre als Vorsitzender des Heimatvereins.
Tritt als Vorsitzender ab: Lothar Vreden. Foto: Archiv Frank Homann
Seit 40 Jahren im Vorstand, seit 21 Jahren Vorsitzender. Lothar Vreden hat Geschichte geschrieben beim Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven. Nun kommt der Augenblick, auf den er schon bei der Jahreshauptversammlung 2009 die Mitglieder vorbereitete. Damals verkündete er: "Dann ist endgültig Schluss." Mit dem 71-Jährigen sprach Roswitha Oschmann.
Diese Entscheidung ist unwiderruflich?
Lothar Vreden: Ja, ich wollte bereits vor zwölf Jahren den Vorsitz abgeben.
Aber Sie werden bei der Vorstandswahl einen Kandidaten für Ihre Nachfolge präsentieren können?
Vreden: Wir haben eine sehr gute Lösung gefunden. Ich hoffe, dass es so klappt. Ich habe mir doch Sorgen gemacht, dass der Verein notfalls aufgelöst werden müsste.
Sie hinterlassen ja auch große Schuhe.
Vreden: Ein Verein erhält durch einen Wechsel doch auch neue Ideen. Wichtig ist der Bestand des Brückenhofmuseums. Denn jede Generation muss die Vergangenheit kennen, um in der Gegenwart für die Zukunft leben und arbeiten zu können.
Ab wann haben Sie sich engagiert?
Vreden: Von meinem ersten Verdienst als Lehrer 1964 bin ich in die Heimatvereine von Ober- und Niederdollendorf eingetreten. Ich hatte immer beide Orte im Auge. Auch durch meine familiären Wurzeln. Johannes Herzog und Ernst Thiebes, meine Vorgänger, holten mich 1972 in den Vorstand.
Der Verein ist auch Träger eines Museums, das sogar im Wegweiser "Kultur im Siebengebirge" aufgeführt ist neben solchen Einrichtungen wie etwa dem Adenauerhaus oder Schloss Drachenburg. Wo liegt das Geheimnis für diese Wertschätzung?
Vreden: 1989 stellte uns die Stadt den "Brückenhof" bereit, damit wir auf Vorschlag von Ernst Thiebes in dem alten Fachwerkbau ein Museum einrichten. Mein Anliegen war, immer wieder Sonderausstellungen durchzuführen. Ich habe bei der Eröffnung 1991 prophezeit, dass die Besucher nicht nur zur Kommunion und zum Goldjubiläum kommen. Das hat sich bewahrheitet. Dafür brauchten wir aber auch Mitglieder.
Wie haben sich die Zahlen entwickelt?
Vreden: 1985 hatten wir 325, 1991 mehr als 500 Mitglieder. 1993 haben wir 130 Mitglieder aufgenommen, davon sind 100 heute noch drin. Seit zehn Jahren haben wir stets um die 1100 Mitglieder. Damit sind wir einer der größten Heimatvereine in der Region.
Der aber nicht nur in der Region seine Mitglieder hat!?
Vreden: 650 Mitglieder wohnen in Oberdollendorf und Römlinghoven, über 100 in Niederdollendorf. Aber wir haben Mitglieder auf der ganzen Welt. Unser Museum hat ein Fluidum, das reizt Besucher, bei uns einzutreten.
Worüber haben Sie sich geärgert?
Vreden: Wenn Leute die Nase rümpften, weil sie einem Heimatmuseum nichts zutrauen.
Und worüber haben Sie sich gefreut?
Vreden: Wenn solche Besucher angenehm überrascht waren, weil sie so etwas nicht erwarteten. Ich habe sie manchmal überredet: "Riskieren Sie doch mal einen Besuch!" Hier konnten sie dann zum Beispiel 190 Rheinromantik-Stiche sehen, 20 noch nie zuvor gezeigte Exponate vom Kloster Heisterbach oder die Ausstellung über jüdisches Leben in Königswinter. Ernemann Sander stellte bei uns aus. Und Burkhard Mohr. Gruppen von Wissenschaftlern fanden genauso zu uns wie Gäste, die für genaue Erklärungen dankbar waren. Und: Bei uns können die Leute die Schrifttafeln auch lesen, denn wir machen Ausstellungen für Besucher und nicht für Designer.
Was hat Sie beeindruckt?
Vreden: Die Begeisterung der Menschen, die beim Aufbau des Museums halfen. Das Schönste war ihr Vertrauen, dass sie für Ideen zu gewinnen waren und Exponate zur Verfügung stellten.
Was machen Sie künftig?
Vreden: Das virtuelle Brückenhofmuseum führe ich weiter. Das ist inzwischen ein Geschichtsbuch und wird von Leuten aufgerufen, die sonst nie in ein Archiv gehen würden.
Zur Person
Lothar Vreden, Jahrgang 1940, wuchs in Niederdollendorf auf. Er studierte Lehramt in Bonn und trat an der Volksschule Oberdollendorf 1964 seine erste Stelle an. 1973 kam Vreden als einer der jüngsten Rektoren in NRW an die Grundschule Niederdollendorf. Mit Beginn des Ruhestandes im Jahre 2002 kniete sich Lothar Vreden noch stärker in die Arbeit für den Heimatverein. Er initiierte die Herausgabe von Publikationen, Vorträge, Exkursionen, auch die Aktion "Stolpersteine".
Artikel vom 23.04.2012
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