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Zwerghahn in Bornheim erschossen
Rentnerin findet totes Tier im Gartenstall
Von Ulrike Sinzel
BORNHEIM. Als der Schuss fiel, stand Ingrid Schmitt nur wenige Meter entfernt und pflanzte Blumen in eine Schale. Wie jeden Tag hatte sie ihren Zwerghähnen "Moritz", "kleiner Fip" und "großer Fip" Körner zu fressen gegeben, und weil Samstag war, auch noch ein paar Waffeln dazu. Dass der Schuss ihrem "großen Fip" gegolten hatte, ahnte die 73-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Ingrid Schmitt mit ihrem Zwerghahn 'kleiner Fip': Sein Bruder wurde erschossen. Foto: Ulrike Sinzel
"Ich habe natürlich geguckt, wo der Schuss herkam, habe aber nichts gesehen", erinnert sich die Rentnerin. Den vergangenen Samstag wird sie wohl nie vergessen. "Ich bin gegen 16 Uhr vom Friedhof gekommen." Schon zwei Wochen zuvor hatte sie einmal einen Schuss gehört. "Da war aber nichts passiert." Doch diesmal war etwas passiert. Das merkte Ingrid Schmitt jedoch erst, als sie um 20.30 Uhr ihre Hähne zur Nachtruhe in den Stall im hinteren Teil ihres Gartens bringen wollte.
"'Moritz' und der 'kleine Fip' gingen direkt in den Stall." Nur der farbenprächtige "große Fip" war nicht da. Lange musste die Rentnerin nicht suchen: Das Tier lag regungslos auf einem Tisch neben dem Stallhäuschen. Es war tot. Im Kopf des Hahns konnte Schmitt eine Einschusswunde erkennen. Sie rief die Polizei. Noch ist nicht klar, wer hinter der Tat steckt. Für die Rentnerin aber gibt es keinen Zweifel, wer das gewesen sein muss. Denn es gibt schon länger Ärger wegen der krähfreudigen Tiere.
Acht Jahre, seit er "so klein war, dass er in eine Hand passte", scharrte und krähte der "große Fip" bei Ingrid Schmitt im Gartenstall. "Er hat immer alles mit seinem Bruder, dem 'kleinen Fip', zusammen gemacht, oft haben sie nebeneinander auf der Stange vor dem Stall gehockt", sagt Schmitt traurig. Bis vor Kurzem gehörte auch noch der neunjährige "Männi" zur Hahnenbande, der im März gestorben ist. Schon seit sie 1996 in das Haus an der Diergardtstraße eingezogen ist, hält sie sich Hähne. "Da gab es die zwei Nachbarshäuser noch gar nicht, und es schallte noch mehr zu den Nachbarn herüber als jetzt."
Ein Problem sei das für die Nachbarn aber trotzdem nie gewesen. "Für viele gehört das dazu, wir sind ja auf dem Land." Auch Kinder kommen ab und zu vorbei, um das Federvieh zu besuchen. Doch 2008 zog ein neuer Nachbar ein, der sich mit den Hähnen, die den ganzen Tag über krähen, nicht anfreunden konnte. Er kürzte seinem Vermieter die Miete, weil er sich in seiner Ruhe sehr gestört fühlte. Der Vermieter wiederum hatte sich damals, 2008, an Ingrid Schmitt gewandt. In einem Schreiben an sie wird mit dem Ordnungsamt gedroht, falls sie die Tiere nicht innerhalb von zwei Wochen abschaffe.
In einem weiteren Brief fordert der Vermieter die entgangene Miete von Ingrid Schmitt ein. Die Seniorin nahm sich einen Rechtsanwalt, und der Vermieter schickte daraufhin keine weiteren Briefe mehr. Jetzt hat die Rentnerin wieder den Rechtsanwalt von damals engagiert. Die Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Waffen- und Tierschutzgesetz, und - weil rein rechtlich Tiere als Sachen geführt werden - wegen Sachbeschädigung. Ingrid Schmitt will "Moritz" und den "kleinen Fip" nicht lange alleine lassen.
"Am Donnerstag bekomme ich einen neuen, einen Seidenhahn", erzählt sie. Dieser hätte ein ganz weiches Gefieder. "Und Seidenhähne sollen auch nicht so einen Krach machen", sagt Ingrid Schmitt.
Artikel vom 16.05.2012
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