Nach 55 Jahren ist Zapfenstreich in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Eine Nachricht aus Berlin schlägt wie eine Bombe ein: "Der Bundeswehrstandort Bad Neuenahr-Ahrweiler wird aufgelöst." Die Kreisstadt verliert damit seinen zweitgrößten Arbeitgeber.
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Bald verwaist: Die Gebäude der Bundeswehr an der Bad Neuenahrer Heerstraße. Foto: Gausmann

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mittwochmorgen, 10 Uhr in der Ahrtal-Kaserne. Eine Nachricht aus Berlin schlägt wie eine Bombe ein: "Der Bundeswehrstandort Bad Neuenahr-Ahrweiler wird aufgelöst." Nur wenig später steht das 136 Seiten starke Papier mit dem Titel "Die Stationierung der Bundeswehr in Deutschland" bereits im Internet.

Wut und Enttäuschung sind die Reaktion der 570 Soldaten und Zivilangestellten der Abteilung V des Heeresamtes und des Logistikzentrums der Bundeswehr. Denn ihr oberster Dienstherr, Minister Thomas de Maizière, hat mit einem Federstrich einen Dienstort gestrichen, der so alt ist wie die Bundeswehr. Amtschef und Standortältester Brigadegeneral Erich-Heinrich Koenen: "Die Aufgaben der Abteilung Heeresamt V werden in das neue Bundesamt für Ausrüstung und Nutzung in Koblenz integriert." Über einen Zeitplan könne noch nicht gesprochen werden.

Für Bad Neuenahr-Ahrweiler ist die Entscheidung fatal. Denn die Kreisstadt verliert mit der Bundeswehr ihren zweitgrößten Arbeitgeber. "Das ist ein schwarzer Tag für die Stadt und ein herber Schlag für die Betroffenen", war die erste Reaktion von Bürgermeister Guido Orthen. Die Auswirkungen für die Stadt insgesamt seien im Moment gar nicht alle absehbar. Denn die Verlegung von Bundeswehrstellen bedeutet nicht nur einen Wegfall von Arbeitsplätzen in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Damit verbunden seien gleichzeitig gravierende soziale, wirtschaftliche und strukturpolitische Einschnitte für die gesamte Region. Orthen: "Diese drastische Entwicklung bedeutet einen Verlust von Kaufkraft für die Wirtschaft vor Ort. Nicht nur das: Wir verlieren auch viele Menschen, die gesellschaftlich integriert sind und sich ehrenamtlich engagieren.

"Dieser "Kahlschlag" sei insbesondere vor dem Hintergrund der zahlreichen Entscheidungen zu sehen, die Stadt und Region bereits in den vergangenen Jahren über die Maßen belastet haben: Regierungsumzug, Schließung des Regierungsbunkers, Abzug der Heeresdisposition nach Wilhelmshaven, Abbau von 500 Stellen bei der Bundeswehr und aktuell die Schließung des Katasteramtes.

Orthen: "Jetzt gilt es zügig, vom Bund den Zeitplan zu erfahren, wie und wann konkret der Abzug geplant ist. Bund und Land sind jetzt wohl um so mehr in der Pflicht, die Auswirkungen abzufedern und nicht nur verbrannte Erde zu hinterlassen."

Reaktionen
  • "Die Betroffenheit hört nicht am Ortsschild auf. Die Schließung bringt auch eine wirtschaftliche Belastung für die Grafschaft mit sich. Auch wenn am Standort Gelsdorf 870 von 910 Dienstposten bleiben, ist es ein rabenschwarzer Tag für den Kreis." Achim Juchem, Bürgermeister der Grafschaft
  • "Das ist eine ganz bittere Pille für den Kreis Ahrweiler. Wir brauchen jetzt schnellstmöglich Klarheit über weitere Details, Perspektiven sowie Kompensationsmaßnahmen und Hilfen." Jürgen Pföhler, AW-Landrat
  • Es ist es bitter zu sehen, dass aller Einsatz in der Sache fruchtlos war und weder Verteidigungsminister de Maizière noch die Bundesregierung ein Einsehen in die Wichtigkeit der Bundeswehr für die Stad Bad Neuenahr-Ahrweiler hatten."

    Andrea Nahles, SPD-MdB

  • "Nun geht es darum, den Wegfall des Standorts und der Dienstposten möglichst sozialverträglich auszugestalten."

    Mechthild Heil, CDU-MdB

  • "Das ist ein Schlag ins Kontor der Kreisstadt. Neben dem Verlust der Arbeitsplätze schlägt der Verlust der Kaufkraft massiv zu Buche. Dabei geht es um Geld im hohen siebenstelligen Bereich."

    Bernd Greulich, IHK

  • "Im Rahmen der Standortschließung stellen wir an den Bund insbesondere die klare Erwartung, dass ein Bundeskonversionsprogramm aufgelegt wird und dass der Stellenabbau sozialverträglich erfolgt."

    Petra Elsner und Marcel Hürter, SPD-Landtagsabgeordnete

  • "Immer wenn man glaubt, den einen Schlag langsam überwunden zu haben, kommt der nächste Schlag. Die Frage ist nur: Welche Schlagzahl verkraftet eine Stadt? Denn bis heute wirkt die Strukturreform im Gesundheitswesen immer noch nach."

    Volker Danko, Werbegemeinschaft

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