Mehr als 300 Teilnehmer nehmen in Linz am Klapperlauf teil

Österlicher Brauch wurde im 17. Jahrhundert von Mönchen importiert

Linz. (khd) Der Klapperlauf sei längst ein Selbstläufer, sagt Michael Unkel: "Reklame müssen wir nicht mehr machen, um viele Teilnehmer zu bekommen. Wie viele es genau sind, wissen wir nicht. Wir haben vor Jahren aufgehört zu zählen." Entsprechend zufrieden registrierte er die Läuferschar, die sich von der Rheinstraße auf den Burgplatz "ergoss": Mehr als 300 Teilnehmer waren es sicher.

Dabei waren nicht alle Holzinstrumente so leise wie das der zweijährigen Nele Adams, die - auf dem Arm von Vater Boris - die wahrscheinlich kleinste Klapper dabei hatte. Die größte Klapper trugen zumindest am Samstag sechs Mitglieder des Jungen Bunten Corps in Form eines Fußballfeldes, eine Idee, die zur Fußball-Weltmeisterschaft geboren worden war.

"Ganz so viele Läufer wie jetzt sind es am frühen Morgen natürlich nicht", erläuterte Unkel. Er selbst ist seit Jahren Linzer "Frontläufer", ein Amt, das er sich lange mit dem "Pause Pitter" geteilt hatte, der nun aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mitmacht. Um 6 Uhr in der Früh starteten die Strünzer Karfreitag und Ostersamstag am Neutor, vor dem ihr "Ahnherr" steht, der Bronze-Klapperjunge der Linzer Bildhauerin Inge Heim.

Richtig böse ist in Linz den "Ruhestörern" niemand, lassen sie doch einen alten österlichen Brauch aufleben, der sich im Rheinland bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Schon in den Schriften von Abt Rupert aus dem Benediktinerkloster zu Deutz wird er erwähnt. Von Köln nach Linz haben ihn wohl die Kapuziner gebracht, die im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts ihr Kloster in Linz gründeten.

Deren Kirche (1639) an der Strohgasse, seit 1973 Stadthalle, ziert dieses Mal auch die Klapperlaufmünze, die von der Volks- und Raiffeisenbank Neuwied seit 1989 ausgegeben wird. Belohnt wurden auch die Erpler Klapperläufer, die aus Rücksicht auf die "Langschläfer" erst um 7 Uhr vom Marktplatz starteten. Brötchen für die Frühaufsteher unter den Klapperjungen gab es von den beiden Bäckereien im Ort, dazu spendierte der "Pitter" om Maat Getränke.

"Leider sind dieses Mal nicht so viele Teilnehmer zusammen gekommen wie in dem Jahr, als der Kunst- und Kulturverein ad erpelle diese Tradition auch in unserem Ort wieder neu belebet hat", bedauerte Heino Schmitz. Er war nicht nur als Betreuer mit den jungen Läufern durch den historischen Ortskern unterwegs, sondern auch zuständig für den Text auf Platt, der dem Klappern in der Alten und Freien Herrlichkeit traditionell "vorweggeschickt" wird.

Nach altem Brauch getroffen haben sich auch die weit über 40 Kinder aus Ockenfels, um von Karfreitagmorgen 8 Uhr bis Ostersamstagmittag 12 Uhr vom Donatusplatz aus auf unterschiedlichen Wegen durch den kleinen Höhenort zu ziehen.

"Dabei haben sie schon heute Vormittag begonnen, an den Haustüren Süßigkeiten zu schnörzen, bevor nachmittags das Eiersammeln beginnt", berichtete Jürgen Kirschbaum, der mit Ehefrau Barbara diese Tradition in Ockenfels am Leben erhält.

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