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Jüdische Grabpflege
Lob für Heimerzheimer Friedhof
Von Anita Borhau-Karsten
SWISTTAL-HEIMERZHEIM. "Dieser Friedhof symbolisiert das, was wir uns wünschen: Er ist Teil der Kommune, offen, einsichtig und begehbar", lobte Wilfried Johnen, Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, Düsseldorf, den Jüdischen Friedhof in Heimerzheim.
Auf dem jüdischen Friedhof in Heimerzheim: Wilfried Johnen (links) im Gespräch mit dem Swisttaler Bürgermeister Eckhard Maack. Foto: Roland Kohls
Er dankte Bürgermeister Eckhard Maack stellvertretend für alle Beteiligten. Maack wiederum berichtete, wie in Swisttal die Erinnerung lebendig gehalten werde: Einmal im Jahr, am Tag der Befreiung von Auschwitz im Januar, treffen sich Bürger, darunter auch die Schüler der Georg-von-Boeselager-Verbundschule, zu einer "formlosen Stunde des Nachdenkens" auf dem Friedhof. "Von Jahr zu Jahr kommen mehr", freute sich Maack.
Der jüdische Friedhof am Dornbuschweg wird von der Gemeinde Swisttal in enger Abstimmung mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden und mit finanzieller Unterstützung der Bezirksregierung Köln gepflegt. Für den Erhalt eines lebendigen Judentums seien besonders auch die Friedhöfe wichtig, erläuterte Johnen.
Da im Judentum an eine "körperliche Auferstehung" geglaubt werde, seien die Grabstellen für die Ewigkeit ausgelegt. Wenn keine Familienangehörigen die Pflege mehr übernähmen, blieben die Gräber normalerweise sich selbst überlassen. Nach dem Holocaust seien Friedhöfe darüber hinaus auch zu Erinnerungs- und Lehrstätten geworden, sagte Johnen.
Etwa 30 000 jüdische Menschen in Nordrhein-Westfalen sind in Gemeinden organisiert, weitere 30 000 leben im Bundesland ohne einer Gemeinde angeschlossen zu sein, schätzt er. Das heutige Judentum in NRW sei lebendig und vielfältig von orthodox bis liberal.
Dass auf dem Heimerzheimer Friedhof zumindest ein Grab noch von Angehörigen aufgesucht wird, erkannte Johnen sofort an Kieselsteinen auf dem Grabstein. Einerseits bedeuten diese, dass der Verstorbene nicht vergessen sei und so zurückgeholt werde ins Bündel des ewigen Lebens, andererseits symbolisieren sie, dass am "Haus des Lebens", wie der Friedhof im Judentum auch genannt wird, weitergebaut werde, so Johnen.
Von 1822 bis 1968 fanden auf dem Heimerzheimer jüdischen Friedhof Beisetzungen statt. Der letzte Verstorbene, der hier seine Ruhestätte hat, ist der 1938 nach Argentinien emigrierte Jakob Schmitz, der nach dem Krieg zurückkehrte und in Dünstekoven wohnte.
Dass bei seinem Tod 1968 niemand mehr mit den jüdischen Gebräuchen vertraut war, sei daran ersichtlich, dass sein Grab quer zur Bestattungsrichtung Osten ausgerichtet ist und der Grabstein nicht die wichtigen hebräischen Buchstaben enthalte, die übersetzt bedeuten "Hier ruht" und "Möge der Verstorbene eingebündelt sein ins Bündel des ewigen Lebens".
Wie viele Grabstellen sich vor dem Nazi-Regime auf dem Friedhof befanden, ist nicht überliefert. Die Grabsteine wurden während der Herrschaft der Nationalsozialisten an einen Steinmetz nach Bad Godesberg verkauft.
Im Sommer 1946 konnten einige Steine unversehrt zurückgeholt und wieder aufgestellt werden. Insgesamt zwölf Gräber und ein zentraler Gedenkstein für die Opfer des Nazi-Regimes befinden sich auf der etwa 1000 Quadratmeter großen Friedhofsfläche.
2007 wurde der Heimerzheimer Friedhof instand gesetzt. Altersschwache Bäume wurden gefällt, Grabsteine gereinigt, ein Zaun gesetzt und eine Hecke gepflanzt. Der Landesverband der jüdischen Gemeinden begrüßte die Nachpflanzung von fünf Bäumen, die symbolisch für die fünf Bücher der Thora des Alten Testaments stehen und damit einen Bezug zum Leben und zur Menschheitsgeschichte darstellen.
Artikel vom 21.07.2012
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