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Sankt Augustin. Der Schleuterbach, ein kleines Bächlein in Niederpleis, hat für einigen Wirbel im Augustiner Rathaus gesorgt, weil er nicht so fließt, wie er fließen darf. Das Wasser wird seit Jahren rechtswidrig in die Kanalisation geführt.
Die Bürgeraktion gegen Neubaupläne in Niederpleis hatte den illegalen Zustand im Zusammenhang mit ihrem Protest gegen die Bebauung des Maisfeldes quasi nebenan am Pleiser Wald publik gemacht und die Bezirksregierung auf den Plan gerufen. Die nun hatte der Stadt zur Auflage gemacht, so schnell wie möglich den Bach vom Kanal abzukoppeln. Eine entsprechende Sanierungsverfügung liegt bereits vor.
Die Verwaltung ließ daraufhin verschiedene Varianten prüfen und hat nun eine Entscheidung getroffen, wie das Bächlein künftig plätschern soll - nicht wie zunächst geplant unterirdisch im Rohr, sondern als offenes Gewässer. "Wir werden eine komplett neue Bachtrasse anlegen", sagte Rainer Gleß, technischer Beigeordneter der Stadt.
Der Bach wird von dem kleinen Weiher im Wäldchen oberhalb des Tannenwegs Richtung Osten verschwenkt. Er fließt dann rund 800 Meter durch einen Waldstreifen, der das Gewerbegebiet von den Wohnhäusern am Pleiser Wald trennt.
Dort wird überdies ein neues Regenrückhaltebecken gebaut, in das auch der Siemensbach geführt wird. Vor dort aus fließt das Wasser zum Teil verrohrt durch Niederpleis in den Pleisbach. Diese Variante ist laut Gleß geeignet, den wasserrechtlichen Problemen an der Stelle beizukommen und den Bachlauf des Schleuterbaches ökologisch aufzuwerten.
Der Bach werde eine geringere Fließgeschwindigkeit haben als bisher. "So kann dort neuer Lebensraum für Flora und Fauna geschaffen werden", sagte Gleß. Zudem erhoffen sich die Planer von dem neuen Regenrückhaltebecken eine Entspannung der Situation im Wohngebiet Pleiser Wald. Dort laufen in einigen Häusern bei starken Regenfällen die Keller voll, weil Kanal und Siemensbach nicht genügend Wasser aufnehmen können und es zu Rückstaus kommt.
Billig wird das Projekt indes nicht. Auf rund 550 000 Euro belaufen sich laut Gleß die Kosten. Die Planungshoheit liegt iallerdings nicht bei der Stadt. Träger des Planverfahrens ist Wasserverband des Rhein-Sieg-Kreises. Um nicht den ganzen Betrag alleine stemmen zu müssen, wird derzeit im Rathaus geprüft, ob für den Umbau Fördermittel zu bekommen sind. "Weil das ja ökologisch aufgewertet wird, haben wir Chancen, nicht alles alleine bezahlen zu müssen", meint Gleß.
Der Beigeordnete wies noch einmal darauf hin, dass es zwar nicht in Ordnung sei, dass der Bach in die Kanalisation fließe. Das sei aber strengeren, neu gefassten Gesetzen der vergangenen Jahre geschuldet. "Was früher legal war, ist heute illegal", sagte Gleß. In vielen anderen Kommunen sei ebenso verfahren worden.
Anfang 2009 sollen die Planungen abgeschlossen sein, im Sommer desselben Jahres sollen dann die Umleitungsarbeiten beginnen. "Die Arbeiten werden sich sicher bis ins Jahr 2010 erstrecken", sagt Gleß.
Wasserverband
Der Wasserverband Rhein-Sieg ist ein Zusammenschluss von Städten und Gemeinden sowie des Kreises. Er ist zuständig für die Gewässerunterhaltung und -pflege, den naturnahen Gewässerausbau und die Renaturierung sowie den Hochwasserschutz und den Ausgleich der Wasserführung.
Das Verbandsgebiet hat eine Größe von rund 500 Quadratkilometern und umfasst einen sehr großen Teil des rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreises. Das betreute Gewässernetz beläuft sich auf rund 2 000 Kilometer Gewässer II. Ordnung, davon etwa 800 Kilometer mit wasserwirtschaftlicher Bedeutung.
Als Fließgewässertypen überwiegen Kerbtalbäche im Grundgebirge, etwa der Lauterbach in Birlinghoven oder der Hanfbach in Hennef. Verbandsvorsteher ist Landrat Frithjof Kühn.
Artikel vom 08.02.2008