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Im Siegburger Gefängnis ausgeraubt, geschlagen und bedroht
Ehemaliger Häftling schildert vor Untersuchungsausschuss des Landtags Missstände in Haftanstalt - Aus Angst vor anderen Gefangenen meldete der Mann Misshandlungen nicht
Düsseldorf. (dpa) Im Untersuchungsausschuss zum Foltermord im Siegburger Jugendgefängnis hat ein früherer Häftling von wiederholten Übergriffen seiner Mitgefangenen berichtet. Er sei regelmäßig ausgeraubt, geschlagen und bedroht worden, sagte der 22-Jährige am Mittwoch.
Der heute im Gefängnis in Geldern einsitzende Mann war von Juli 2005 bis Juni 2006 Häftling in Siegburg. Er war Ende Juni 2006 mit einem Zellengenossen an einem vorgetäuschten Ausbruchsversuch beteiligt. Aus Siegburg war er bereits vor dem Foltermord im Herbst 2006 verlegt worden.
In der Sitzung des Ausschusses, der wegen der Haftstrafe des Zeugen diesmal in dem Hochsicherheitsgebäude des Düsseldorfer Oberlandesgerichts tagte, wiederholte der 22-Jährige seine schon während des Strafprozesses gemachten Vorwürfe. Die ersten Misshandlungen kurz nach seiner Einlieferung in das Gefängnis habe er noch den Bediensteten gemeldet.
Nachdem ihn aber seine Mithäftlinge danach wegen "Verpetzens" umso schlimmer drangsaliert hätten, habe er die Vorfälle später nicht mehr angezeigt.
Aus Angst vor seinen Mitgefangenen habe er das Gefängnispersonal auch gebeten, nicht mehr am sogenannten Umschluss, bei dem Gefangene aus anderen Zellen auf sein Zimmer kamen, teilzunehmen. Dann hätte er aber auch auf Vergünstigungen wie der Teilnahme am Sport verzichten müssen, was er nicht gewollt habe, sagte er.
Er habe weder zu den Mitarbeitern des Vollzugsdienstes noch zum Sozialdienst Vertrauen gehabt. Mehreren Anträgen auf Verlegung in andere Gefängnisse sei nicht entsprochen worden. Er räumte aber auch ein, dass er wegen seines Wunsches, den Hauptschulabschluss in dem Gefängnis nachzuholen, gar nicht verlegt werden konnte.
Die ursprünglich geplante Befragung des Ministerialdirigenten Wilfried Mainzer, dem ranghöchsten Vollzugs-Fachbeamten des Landes, wurde wegen einer Erkrankung Mainzers verschoben. Am 18. Februar soll der frühere Justizminister Wolfgang Gerhards (SPD) befragt werden, die derzeitige Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) am 10. März.
Artikel vom 10.01.2008
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