"Ja!"

Heiraten boomt in Königswinter

KÖNIGSWINTER.  Das Ambiente von Schloss Drachenburg oder Drachenfelsbahn lockt immer mehr Auswärtige an. Königswinter hat offensichtlich mehr Reize zu bieten als andere Städte.

Hochzeit in der Drachenfelsbahn: Das Siebengebirgsprinzenpaar Guido und Nadine Hoffmann im November 2009. Foto: Frank Homann (Archiv)

Einen anderen Schluss lässt der Blick ins städtische Heiratsregister nicht zu. Heiraten boomt am Fuße des Drachenfels.

346 Paare taten im vergangenen Jahr hier den ersten Schritt in ein gemeinsames Leben. Im Jahr 2007 lag die Zahl noch bei 227. Auch der Vergleich mit anderen Kommunen wie dem benachbarten Bad Honnef (100) oder dem größeren Siegburg (300) zeigt, dass der Bund fürs Leben in Königswinter besonders gerne geschlossen wird. Bemerkenswert ist auch: 225 der 346 Brautleute waren "Hochzeitstouristen" - sie kamen von auswärts.

Für den schönsten Tag im Leben, zumindest ist er das für viele, muss das Ambiente passen. Und da hat Königswinter einiges anzubieten: Auf Schloss Drachenburg, in der Drachenfelsbahn oder hoch über den Dächern der Altstadt im neuen Siebengebirgsmuseum können die Ringe getauscht werden. Oder relativ schlicht im Trauzimmer in Haus Bachem.

Die Stadtverwaltung hat das jetzt als Wirtschaftsfaktor erkannt, von dem auch Hotels und Gastronomie profitieren. Sie führt das große Interesse am Heiraten in Königswinter neben dem guten Service des Standesamtes darauf zurück, dass sich die Paare zwischen der klassischen Variante in Haus Bachem und Trauungen an besonderen Orten und zu besonderen Zeiten entscheiden können.

So fanden im vergangenen Jahr 102 Trauungen außerhalb des eigentlichen Trauzimmers statt - davon allein 58 auf Schloss Drachenburg. 165 Trauungen, und somit fast die Hälfte, wurden freitags nach 12.30 Uhr und an insgesamt 24 Samstagen, also außerhalb der normalen Arbeitszeiten der Standesbeamten, vorgenommen. Auch das ist ein besonderer Service der Stadt. Wie begehrt Eheschließungen hier sind, zeigt auch die Tatsache, dass sich Brautleute dort bis zu zwölf Monate vorher vormerken lassen.

Die Verwaltung stellt den Hochzeitsboom in der Stadt in einer Vorlage für die Politik nicht ganz ohne Hintergedanken dar: Um den Standard zu halten und die Trauungen an Freitagen und Samstagen noch weiter ausbauen zu können, werden mehr Standesbeamte gebraucht, was natürlich auch etwas kostet.

Um die Personalausgaben so niedrig wie möglich zu halten, wurden in der Verwaltung Mitarbeiter gesucht, die neben ihrer eigentlichen Tätigkeit zusätzlich als "Verstärkungs-Eheschließungsbeamte" tätig werden. Drei willige Kolleginnen haben sich bereits gefunden. Um das notwendige Rüstzeug zu haben, werden sie an einem zweiwöchigen Fachlehrgang mit Prüfung teilnehmen. Dann dürfen sie trauen.

Die sogenannte "Ambientetrauung", zum Beispiel in Schloss Drachenburg, die sich immer größerer Nachfrage erfreut, ist im Übrigen mit 150 Euro nur 50 Euro teurer als eine Samstagstrauung im normalen Trauzimmer. Daran soll sich zunächst mal auch nichts ändern. Schließlich will man den Heiratsboom in Königswinter nicht stoppen.

Das Standesamt hilft weiter: Normale Trauungen finden montags bis freitags und an festgelegten Samstagen von 10.30 bis 12 Uhr im Trauzimmer von Haus Bachem in der Altstadt statt. Trauungen an besonderen Orten werden individuell vereinbart.

Das Standesamt weist darauf hin, dass Termine an Freitag- und Samstagnachmittagen von Mai bis Dezember besonders begehrt sind. Das Standesamt in der Altstadt, Drachenfelsstraße 6, ist montags bis freitags von 8.30 bis 10.30 Uhr, donnerstags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

Die drei Standesbeamten sind auch telefonisch zu erreichen: Marion Nöthel, 02244/889361, Friedhelm Ruttert, 02244/889362, und Ute Kluth, 02244/889346.

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